Die libysche Fluggesellschaft Afriqiyah Airways teilte mit, an Bord des abgestürzten Airbus A330-200 seien neben Bürgern aus Libyen, den Niederlanden, Simbabwe und den Philippinen auch zwei Deutsche gewesen. Auch der libysche Verkehrsminister, Mohammed Ali Zidan, sagte dem britischen Fernsehsenders BBC zufolge, unter den Toten seien Opfer deutscher Nationalität. Eine genaue Zahl nannte er jedoch nicht. Das Auswärtige Amt konnte diese Angaben bislang weder dementieren noch bestätigen.

Die Maschine kam aus Johannesburg in Südafrika. Der Airbus 330 sollte um 6.10 Uhr Ortszeit landen. Das Unglück ereignete sich offenbar kurz vor dem Aufsetzen des Flugzeugs auf der Landebahn. "Wie wir hörten, war es einen Meter von der Landebahn entfernt", sagte ein Vertreter der Fluggesellschaft in Johannesburg.

Die Airline bestätigte auf ihrer Webseite einen Unfall des Fluges 8U77 während der Landung. 93 Passagiere sowie elf libysche Besatzungsmitglieder seien an Bord gewesen. Nach Angaben arabischer Medien waren unter den Toten 22 Libyer sowie Staatsbürger Großbritanniens und Südafrikas.

Die meisten Opfer kamen aber aus den Niederlanden. Ministerpräsident Jan Peter Balkenende sagte in Den Haag, "zahlreiche" Landsleute hätten in dem Unglücksflieger gesessen. Der niederländische Tourismusverband sprach von 61 niederländischen Opfern. Nur ein einziger der 104 Menschen an Bord - ein neunjähriger Junge aus den Niederlanden - überlebte.

Das Flugzeug "ist bei der Landung explodiert und wurde völlig zerstört", sagte ein Sicherheitsbeamter. Hilfsmannschaften eilten zum Unglücksort, zahlreiche Krankenwagen und Fahrzeuge des Zivilschutzes waren im Einsatz. Die Maschine sollte nach einem Zwischenstopp in Tripolis nach London weiter fliegen, berichtete die BBC. Das Wetter sei sonnig gewesen, schilderte ein Reporter.

Laut eigener Darstellung verfügt Afriqiyah Airways über eine Flotte von Airbus-Flugzeugen. Die Airline wurde im April 2001 gegründet und begann ihren Betrieb mit fünf geleasten Maschinen.

Start und Landung sind die riskantesten Phasen eines Fluges. Untersuchungen der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) zufolge ereignen sich fast die Hälfte aller Unfälle bei der Landung oder in der letzten Phase des Landeanflugs. Diese Flugphasen machen zusammen nur etwa fünf Prozent der gesamten Flugzeit aus. Während des eigentlichen Fluges ereignen sich Unfälle eher selten.

Erst am 10. April war beim Landeanflug auf die russische Stadt Smolensk eine Tupolew vom Typ TU-154 in dichtem Nebel abgestürzt – unter den 96 Todesopfern war auch Polens Präsident Lech Kaczynski . Ursache war vermutlich ein Pilotenfehler. Im Jahr zuvor stürzten nach Angaben von Sicherheitsexperten weltweit vier Flugzeuge beim Landen ab.

In der Startphase ist das Unfallrisiko offenbar deutlich geringer als zum Ende eines Fluges. Nach ICAO-Angaben geschehen beim Start etwa halb so viele Unglücke wie bei der Landung - drei waren es im Jahr 2009.

Im August 2008 war eine MD-82 der spanischen Gesellschaft Spanair direkt nach dem Start auf dem Madrider Flughafen zerschellt. Nach einem vorläufigen Expertenbericht sollen die Piloten vergessen haben, die Vorflügel und Landeklappen auszufahren, die dem Flugzeug beim Start Auftrieb geben. 154 Menschen kamen ums Leben