Mindestens 15 Tote und Schäden in Milliardenhöhe: Die Überschwemmungen an Oder und Weichsel haben in Polen Ortschaften und Landstriche verwüstet . Ein Feuerwehrsprecher bezeichnete die Flut gar als schlimmste seit mehr als 100 Jahren. Das Hochwasser habe ein Ausmaß, wie es "seit 1884 nicht mehr beobachtet" worden sei.

Und die Lage bleibt ernst: Der Scheitel der Oder-Flutwelle durchfloss am Dienstag die Stadt Glogow in Niederschlesien. Zwar trete der Fluss vorerst nicht aus den Ufern, auch habe es keine neuen Deichdurchbrüche gegeben, berichtete der polnische Rundfunk. In zehn niederschlesischen Landkreisen an der Oder gilt jedoch weiterhin Hochwasseralarm.

Auch an der Weichsel ist die Lage weiterhin angespannt. Den Behörden bereitet vor allem die Dauer der Überschwemmungen Sorge. Das Hochwasser der Weichsel halte bereits sechs Tage an, sagte Innenminister Jerzy Miller. In den betroffenen Orten wachse deshalb die Gefahr, dass die von den Fluten durchtränkten Dämme brechen könnten. Eine Sprecherin des Innenministeriums bezeichnete den Zustand der Schutzwälle in vielen Landesteilen als sehr schlecht.

Nahe der Städte Sandomierz im Süden des Landes und in Plock im Zentrum Polens waren die Dämme bereits geborsten. In Plock versuchten Hunderte Feuerwehrleute, Soldaten und freiwillige Helfer, die Wassermassen unter Kontrolle zu bekommen. An zwei Stellen sprengten die Einsatzkräfte gar den Deich, damit die Fluten aus dem Stadtgebiet zurück ins Flussbett fließen.

Insgesamt hat die Weichsel mehr als 8000 Hektar Land und 23 Ortschaften überflutet. Auch die Hauptstadt Warschau ist nach wie vor von dem Hochwasser betroffen. Am Montag verstärkten Armee, Polizei und Katastrophenschutz die Weichsel-Ufer mit Sandsäcken, rund 200 Schulen blieben vorsichtshalber geschlossen. Der Hochwasserscheitel der Weichsel passierte am Abend Thorn und floss weiter in Richtung Ostsee.

Neben Dammbrüchen befürchten die Behörden auch Erdrutsche. Besonders hoch sei die Gefahr im Süden des Landes, wo es die schwersten Flutschäden gab, sagte die Sprecherin des Innenministeriums. Die Pegelstände sänken dort zwar mittlerweile, aber viele Gebiete stünden immer noch unter Wasser.

In Polen stemmen sich 14.500 Feuerwehrleute und mehr als 4000 Soldaten gegen die Fluten, zudem sind 6000 Häftlinge im Einsatz. Die Regierung von Premier Donald Tusk stellte den am schwersten Betroffenen eine Soforthilfe von 6000 Zloty (rund 1800 Euro) pro Haushalt in Aussicht und bat die EU um finanzielle Unterstützung. Insgesamt könnten sich die Schäden ersten Schätzungen zufolge auf mehr als 10 Milliarden Zloty (2,5 Milliarden Euro) belaufen. Russland entsandte bereits ein Flugzeug mit Pumpen, Schlauchbooten und mobilen Kraftwerken an Bord. Nach der Entspannung der historisch schwierigen Beziehungen beider Länder gilt dies als weitere Geste Moskaus.