Bei heftigen Auseinandersetzungen um die Entwaffnung einer Bande starben nach Polizeiangaben mindestens 31 Menschen. Unter den Toten waren nach den Angaben der Polizei 28 Zivilisten und drei Polizisten. Vertreter der öffentlichen Krankenhäuser sprachen gar von mehr als 60 Todesopfer. Ein Polizeisprecher sagte, zudem seien 211 Verdächtige festgenommen worden. Der gesuchte Gangster Christopher "Dudus" Coke wurde jedoch offenbar noch nicht gefasst.

Sicherheitskräfte und Armee haben immer mehr Mühe, die Lage in der Hauptstadt Kingston unter Kontrolle zu halten. Der stellvertretende Polizeichef Glenmore Hinds sprach von einem "Krieg" gegen die Kriminellen, der den Karibikstaat seit zwei Tagen in Atem hält. Grund für die Ausschreitungen ist die geplante Auslieferung von "Dudus" Coke an die USA.

Coke soll sich im Armenviertel Tivoli Gardens verschanzt haben. Anhänger des 41-Jährigen hatten Barrikaden errichtet . Als die Soldaten vorrückten, stürmten die Bandenmitglieder auf die Dächer der angrenzenden Häuser und beschossen die angreifenden Sicherheitskräfte. Während des Einsatzes erschütterten Explosionen das Wohngebiet, Rauchwolken standen über dem Viertel. Augenzeugen schilderten, Militärhubschrauber hätten Sprengsätze abgeworfen.

Jamaikas Premierminister Bruce Golding verhängte in der Hauptstadt einen für einen Monat geltenden Ausnahmezustand.

Inzwischen griffen die Unruhen auch auf die zur Metropolenregion zählenden Stadt Spanish Town über, wo am Morgen die Polizeiwache beschossen wurde. Auch aus anderen Stadtteilen wurden Schießereien gemeldet.

Die USA beschuldigen Coke des Kokain- und Waffenhandels, für das US-Justizministerium ist er einer der "weltweit gefährlichsten" Drogenbarone. Den Ermittlern zufolge steht er seit 1990 einem international agierenden Drogenring namens The Shower Posse vor, der Marihuana und Crack vor allem in den Großraum New York liefert. Während der Drogenkriege der achtziger Jahre soll das Sydikat Hunderte Menschen ermordet haben.

Im August wurde er in den USA formell angeklagt und ein Auslieferungsgesuch an Jamaika gestellt. Coke hat in Jamaika jedoch zahlreiche Unterstützer.