Am Eingang des jüdischen Straßenfestes ist eine lange Schlange. Jeder Besucher muss sich anstellen – aber nicht für Eintrittskarten, sondern für die Sicherheitskontrolle, wie am Flughafen, nur unter freiem Himmel. Der erste Sicherheitsbeamte fordert die Besucher auf, ihre Wertgegenstände in ein kleines Körbchen zu legen. Dann können sie durch den Metalldetektor gehen. Der zweite Security-Mann kontrolliert die Taschen.

"Es ist traurig, aber Normalität, dass sie sich so abschotten müssen", sagt eine Saarländerin, die zu dem Fest gekommen ist. Sie war schon sechs Mal in Israel und bezeichnet sich selbst als eine "Freundin der Juden". Leider würden solche Anlässe häufig für Anschläge genutzt, sagt sie.

Der Rabbiner Yehuda Teichtal, einer der Organisatoren, erklärt, dass das heutige Fest auf das Lag baOmer-Fest zurückgeht. Dieser Halbfeiertag erinnert unter anderem an den Aufstand gegen die Römer im Jahr 135. Vor 2000 Jahren endete in Israel außerdem eine große Plage, die viele Menschenleben gekostet hat. Grund für die Plage sei gewesen, dass die Menschen nicht genug Respekt füreinander hatten, erklärte Teichtal. Und dafür wollen sie mit dem Straßenfest werben – für mehr Toleranz und Frieden.

Begonnen hatte das Fest mit einer Parade. Rund 1500 Menschen begleiteten drei geschmückte Wagen, deren Fahrt vor dem Eingang des Straßenfestes endete. Unterstützt wurde die Parade von mehr als 20 jüdischen Organisationen, Institutionen und Vereinen sowie von der israelischen Botschaft. Ähnliche Paraden gibt es in London, New York und Paris.

"Wissen bringt Toleranz", sagte Teichtal weiter. Das ist auch ein Grund, weswegen er Amerika 1996 verlassen hat. Ein Rabbiner hatte ihm erklärt, dass man Deutschland nicht ignorieren könne. Er solle hingehen und die jüdische Gemeinde aufbauen. Nie zu vergessen, sei wichtig. Aber wichtig sei auch die Gegenwart. Und diese zeigt, dass das jüdisches Leben in Deutschland heute aktiver denn je blühe, hieß es von der Gemeinde.

Inzwischen zählt die Jüdische Gemeinde in Berlin nach eigenen Angaben mehr als 11.000 Menschen zu ihren Mitgliedern und ist damit die größte in Deutschland. Das jüdische Leben in Berlin wachse enorm, sagte auch der Rabbiner Teichtal. Insbesondere bei den jungen Menschen. Dass sei auch der Grund, weswegen sie jetzt dieses Straßenfest veranstalten.

Im Vordergrund des Festes stehen eindeutig die Kinder. Es gibt eine Hüpfburg, mehrere Karussells, Clowns und eine eigene Kinder-Bühne. Die älteren fühlen sich fast überflüssig, wie zwei Damen scherzhaft sagten.

Unter den Organisationen, die sich mit ihren Informationsständen an das erwachsene Publikum richtete, war neben der Jüdischen Zeitung auch die Vereinigte Israel Aktion. Udi Lehavi sammelte an diesem Stand Spenden, mit dem in Israel soziale Projekte gefördert werden sollen. "Toleranz bedeutet für mich, die Menschen so zu akzeptieren wie sie sind" sagte er. "Allerdings mit einer Einschränkung. Sie sollen mich auch so akzeptieren, wie ich bin."

Die Konflikte, die Israelis und Palästinenser in ihrer Heimat haben und die Gefahr, die auch von Rechtsradikalen in Deutschland ausgeht, lassen sich auch an diesem Tag nicht wegfeiern. Die Wünsche der Besucher sind fast alle gleich: Sie wollen, dass es möglich ist, ein jüdisches Straßenfest zu veranstalten, ohne durch eine Sicherheitsschleuse zu müssen. Und sie hoffen, dass jüdische Einrichtungen künftig nicht mehr so viel Polizeischutz brauchen, wie bisher.