Die Umstände des Absturzes von Katyn gaben Rätsel auf: Trotz dichten Nebels und mehrfacher Warnungen versuchten die Piloten der Tupolew TU-154 auf dem Smolensker Flughafen zu landen. Das Manöver scheiterte: Die Maschine zerschellte am Boden, die gesamte Besatzung, unter ihnen der polnische Präsident Lech Kaczńyski und seine Frau, kam ums Leben.

Die polnisch-russische Untersuchungskommission MAK hat sich des Unglücks und dessen ungeklärter Fragen angenommen. In Moskau hat sie nun ihre Erkenntnisse präsentiert. Sie teilte mit, dass die Auswertung der Flugschreiber ergeben habe, dass wenige Minuten vor dem Absturz "unbefugte Personen" im Cockpit gewesen seien.

Eine der Stimmen aus dem Cockpit sei "eindeutig identifiziert" worden, sagte die Kommissionschefin Tatjana Anodina. Bei den übrigen bedürfe es noch zusätzlicher Informationen aus Polen. Wer im Cockpit war, und worum sich die Gespräche drehten, wollte sie zunächst jedoch nicht sagen. Wie die polnische Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf Ermittlungskreise berichtete, ließ eine der Stimmen auf Luftwaffenchef Andrzej Blasik schließen.

Damit verdichten sich die Hinweise, wonach die Piloten zur Landung gedrängt worden sein könnten. Präsident Kaczyński war auf dem Weg nach Katyn, um der Opfer des Massakers von Katyn während des Zweiten Weltkriegs zu gedenken. Nach dem Unglück hatte es Spekulationen gegeben, dass die Piloten unter Druck gesetzt worden sein könnten, trotz schlechten Wetters zu landen. Hintergrund war ein Vorfall aus dem Jahr 2008, als Kaczyński einem Piloten, der aus Sicherheitsgründen einen anderen Zielflughafen gewählt hatte, Feigheit vorgeworfen und dessen Entlassung bewirkt haben soll.

Möglicherweise habe die Delegation nicht zu spät nach Katyn kommen wollen und daher den Vorschlag ignoriert, nach Minsk oder Moskau weiterzufliegen , hieß es nach dem Unglück in der polnischen Presse – zumal die Tupolew den Ermittlern zufolge schon mit deutlicher Verspätung in Polen gestartet war. Ein polnischer Vertreter in der Untersuchungskommission, Edmund Klich, sagte allerdings, er gehe nicht davon aus, dass die Anwesenheit der Unbefugten "maßgeblichen Einfluss" auf die Unglücksursache habe. Klarheit gebe es aber erst nach einer vollständigen Untersuchung aller Umstände des Absturzes .

Die möglichen Erklärungen für den Absturz schwinden jedoch. Die Untersuchung habe ergeben, dass "weder ein technischer Ausfall, noch eine Explosion oder ein Brand" an Bord für das Unglück verantwortlich gewesen seien, sagte Anodina. Auch ein Attentat könne ausgeschlossen werden, und die Motoren hätten einwandfrei funktioniert.

Klar sei nur, so der Cheftechniker der Kommission, dass die Tupolew beim Landeversuch einen Baum streifte. Danach hätten die Piloten die Kontrolle über das Flugzeug verloren.