Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung(FAS) sollen sich Ende der sechziger Jahre mehrere Schüler beim damaligen Leiter der Odenwaldschule, Walter Schäfer, über sexuellen Missbrauch durch den Musiklehrer Wolfgang H. beklagt haben. Der 13-Jährige, der die Aussprache initiiert hatte, musste daraufhin die Odenwaldschule verlassen. Laut FAS ließ Schäfer den Jungen einen Intelligenztest machen, fälschte das Ergebnis, und erklärte der Mutter, der Junge sei schuluntauglich.

Ein weiterer beschuldigter Lehrer musste zwar die Schule verlassen, der Schulleiter soll ihm aber zu einer neuen Stelle an einer ehrenwerten Institution verholfen und in Absprache mit dem Schulamt auf einen Strafantrag verzichtet haben. Der heute vielfach des sexuellen Missbrauchs beschuldigte Wolfgang H. hingegen blieb weitere 21 Jahre an der Schule und missbrauchte zwischen 1966 und 1989 mutmaßlich mindestens 30 Jungen.

Ehemalige Schüler berichteten der FAS von gewohnheitsmäßigem Missbrauch durch H. in der Schulwohnung, in seinem Wohnmobil, einem Heppenheimer Penthouse und in eigens dafür angemieteten Ferienhäusern. H. soll auch mit der Unterstützung seines Liebhabers – einem seiner ehemaligen Schüler – von seinen Schülern pornografische Film- und Fotoaufnahmen gemacht haben. Das jüngste Kind sei neun Jahre alt gewesen.