Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat das Urteil der Vorinstanz aufgehoben und verbietet damit, dass muslimische Schüler außerhalb des Religionsunterrichts in der Schule beten dürfen. Zur Begründung hieß es, eine Einschränkung der Religionsfreiheit sei in der Schule gerechtfertigt, um andere Verfassungsgüter zu schützen. Dies könnten etwa die Glaubensfreiheit der anderen Schüler, die Elternrechte und der für den staatlichen Erziehungsauftrag notwendige Schulfrieden sein. Gegen das Urteil ist Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht möglich.

Konkret ging es um den Fall des 16 Jahre alten Muslim Yunus M., dem das Verwaltungsgericht Berlin das Recht zugesprochen hatte, einmal täglich auf dem Schulgelände des Diesterweg-Gymnasiums im Stadtteil Wedding in einer Pause zu beten. Diese Entscheidung hoben die Richter auf und betonten in der Begründung besonders die Gefahr für den Schulfrieden. "Dies ist ein guter Tag für die Berliner Schule", sagte die Schulleiterin Brigitte Burchardt zu dem Urteil. 

Das Berliner Verwaltungsgericht hatte in seinem Urteil Ende September 2009 dem Schüler das Beten erlaubt. Die Richter sahen die Neutralität des Staates durch das Beten nicht eingeschränkt. Glaubensüberzeugungen dürften vom Staat nicht bewertet oder infrage gestellt werden, so damals die Begründung. Das Land Berlin hatte daraufhin Berufung gegen die zugestandene Erlaubnis für den Schüler eingelegt.

"Die Konflikte würden sich nach Ansicht des Senats verschärfen, wenn die Ausübung des muslimischen Gebets gestattet würde", sagte die Vorsitzende Richterin Hildegard Fitzner-Steinmann und verwies auf die zahlreichen Religionen, die an der Schule vertreten sind. Sie gab damit der Berliner Schulverwaltung Recht. Diese sieht durch das rituelle Gebet des Jungen den Schulfrieden gefährdet und führt auch organisatorische Beschränkungen an. Um andere Schüler von dem Gebet abzuschirmen, hatte die Verwaltung dem 16-Jährigen einen eigenen Gebetsraum eingerichtet.