Vor dem Karlsruher Landgericht plädierte die Anklage auf eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung sowie auf eine Geldstrafe von 6000 Euro für den 56-Jährigen. Die beiden Tauss-Anwälte forderten dagegen Freispruch ihres Mandanten.

Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete habe sich das einschlägige Material mit Bildern und Videos für rein private Zwecke beschafft und "um sich daran sexuell zu erregen", warf ihm Staatsanwältin Stephanie Egerer-Uhrig vor. Der Ort, an denen man das Material gefunden habe – in seiner Berliner Wohnung statt im Abgeordnetenbüro – "sprechen dafür, dass bis zum Schluss eine private Nutzung stattgefunden hat", sagte sie.

Tauss habe außerdem falsche Angaben zur Dauer seiner angeblichen Recherche gemacht. Sie habe auch kein Verständnis dafür, dass der Politiker niemanden in seine illegalen Aktionen eingeweiht habe, weder in seinem politischen, noch im privaten Umfeld. "Das ist umso erstaunlicher, wenn er überzeugt ist, dazu berechtigt gewesen zu sein", sagte die Anklägerin.

Obwohl Tauss seine Recherchen Anfang 2009 beendet habe, habe er auch danach seine Erkenntnisse über die Besitzer von Kinderpornos nicht an die Behörden weitergegeben, sagte Egerer-Uhrig. "Allein durch seine Kontakte im Herbst und Winter 2008 wurden 27 neue Ermittlungsverfahren eingeleitet", betonte sie.

Auch die vermeintliche Brisanz möglicher Ergebnisse dieser Recherchen zweifelte sie an: "Was Tauss beweisen wollte, war kalter Kaffee. Das wusste jeder."