Schüsse hallen in Whitehaven, Seascale und Conoston – verschlafene Städtchen an der Küste des malerischen Lake Districts. Zunächst ist das Ausmaß der Gewalttat nicht klar. Von fünf Toten ist die Rede, die von einem Unbekannten erschossen wurden. Später korrigiert die Polizei die Zahl auf mindestens zwölf. Mehr als 25 weitere Menschen werden angeschossen.

Nach mehrstündiger Jagd wird der mutmaßliche Täter, der 52-jährige Taxifahrer Derrick B., in dem abgelegenen Dorf Boot im Eskdale-Tal tot aufgefunden.

"Ich kann bestätigen, dass wir eine Leiche in einem Waldstück von Boot gefunden haben, von der wir glauben, dass es Mister B. ist", sagt Stuart Hyde von der Polizei der Grafschaft Cumbria. Bei dem Toten sei eine Schusswaffe gefunden worden. "Wir konzentrieren uns jetzt darauf herauszufinden, wie es zu der Schießerei kam und wo Mister B. in den vergangenen 24 Stunden und vor allem in den letzten Stunden war." Zuletzt war er zu Fuß auf der Flucht, die Polizei hatte sein verlassenes Auto gefunden.

Der Tatverdächtige war in Whitehaven tätig – dort fielen am Vormittag die ersten Schüsse. Dort erschoss er mindestens einen Menschen, bevor er mit seinem Wagen weiterfuhr. Die Polizei meldete, er habe aus dem Auto heraus wild um sich geschossen. Außerdem habe er weitere Schüsse in den benachbarten Ortschaften Egremont und Seascale abgegeben. Nach Angaben der BBC eröffnete der Amokschütze an elf verschiedenen Orten das Feuer.

Er habe im Streit auf drei Kollegen geschossen, berichtet die Taxifahrerin Lorraine Rimmer. Einen Kollegen habe er getötet, die beiden anderen seien verletzt worden. "Er hatte schon gestern morgen Streit mit einem Taxifahrer, der zog sich dann bis heute hin", erzählt Rimmer. "Er ist komplett durchgedreht. Er war ein ziemlicher Einzelgänger, er hat mit kaum jemandem ein Wort gewechselt."

Bekannte schilderten ihn als ruhigen Menschen. Er habe einen erwachsenen Sohn, aber allein gelebt. "Ich kann nicht glauben, dass er so etwas tun kann", sagte die Telefonistin eines Taxiunternehmens den Whitehaven News . Nach ihren Angaben kam er häufiger in die Stadt, um dort auszugehen. "Er war ziemlich beliebt". "Er war sehr still, behielt alles für sich" berichtete ein Bekannter des Täters, John Kane. Nach seinen Worten "muss ihn irgendetwas zum Äußersten getrieben haben".

Während die Polizisten in den Städten und Dörfern in Cumbria nach dem Amokläufer fahnden, werden Touristen, Wanderer und Einwohner angewiesen, sich in Sicherheit zu bringen und ihre Häuser nicht zu verlassen. Sean King, ein Hausbesitzer im Fünfzehn-Seelen-Nest Boot, erzählt, die Polizei habe ihn gewarnt, der Täter sei auf Weg zu seiner Kneipe.

"Es war sehr nervenaufreibend", sagt King. Immer mehr Wanderer hätten in seinem Pub Schutz gesucht. "Drei Hubschrauber waren über dem Pub, und sie flogen so tief, dass das ganze Haus gebebt hat." Die Leiche des Täters sei nur 200 Meter von seinem Pub entfernt entdeckt worden. "Wir haben Schüsse gehört. Aber das kann auch ein Echo gewesen sein."

Schießereien sind in Großbritannien wegen der vergleichsweise strengen Waffengesetze selten. 1996 tötete ein Schütze 16 Schulkinder und ihren Lehrer in der schottischen Stadt Dunblane. 1987 erschoss ein Mann 16 Menschen in der südenglischen Stadt Hungerford.