Die evangelische Bischöfin Maria Jepsen hat ihren Rücktritt erklärt. Die 65-Jährige begründete ihren Schritt damit , dass ihre Glaubwürdigkeit angezweifelt worden sei. Sie sehe sich nicht mehr in der Lage, ihre Botschaft so zu verkünden , wie sie es "vor Gott und der Gemeinde" versprochen habe.

Die evangelische Bischöfin war in den vergangenen Tagen wegen Missbrauchsvorwürfen gegen einen Pastor in ihrem Bistum unter Druck geraten. Medienberichten zufolge war Jepsen bereits 1999 über die Missbrauchsvorfälle informiert worden, hatte aber erst im vergangenen Mai die Staatsanwaltschaft und die Öffentlichkeit informiert.

Jepsen sagte in ihrer Rücktrittserklärung, sie erwarte "dass die Missbrauchsfälle in Ahrensburg und anderswo zügig aufgeklärt werden und die Wahrheit ans Licht kommt." Trotz der Äußerungen in den Medien, die "ihr Schlimmes unterstellen", werde sie weiterhin versuchen, "für Gott und die Menschen da zu sein."

Auslöser der Debatte war eine im Hamburger Abendblatt veröffentlichte Eidesstattliche Erklärung. In dieser schildert eine Zeugin, wie sie Jepsen 1999 bei einer flüchtigen Begegnung während eines Kongresses in Lübeck von den Missbrauchsfällen in Ahrensburg berichtete.

Die Zeugin habe Jepsen "sinngemäß" gesagt, der Ahrensburger Pastor habe Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht. Die Bischöfin erklärte, sich an diese Situation nicht zu erinnern und ergänzte, dass sie dem Vorwurf nachgegangen wäre, wenn sie die Worte "sexueller Missbrauch" verstanden hätte.

Die Nordelbische Kirche teilte mit, erst im März 2010 durch einen Brief informiert worden zu sein. Daraufhin seien disziplinarrechtliche Ermittlungen gegen zwei Pastoren im Ruhestand eingeleitet worden. Die Öffentlichkeit und die Staatsanwaltschaft seien dann im Mai informiert worden. Bisher seien sieben Vorfälle bekannt, die untersucht würden.

Der katholische Weihbischof Hans-Jochen Jaschke aus Hamburg bedauerte den Rücktritt der Bischöfin: "Dieser Schritt bestätigt ihre Geradlinigkeit und Aufrichtigkeit. Sie hat die allgemeine Verantwortung dafür übernommen, dass die Kirche in dem bekannten Missbrauchsfall nachlässig gewesen ist." Es mache Jepsen Ehre, ihr Amt zur Verfügung zu stellen, aber sie werde sehr fehlen, teilte der Geistliche mit.

Jepsen wurde im April 1992 zur Bischöfin von Hamburg und damit zur ersten evangelisch-lutherischen Bischöfin der Welt gewählt. Im April 2002 bestimmten die Kirchenparlamentarier die 65-Jährige für eine weitere, zehnjährige Amtszeit als Bischöfin.