In Iran wettern die Ayatollahs wieder gegen ungenügend verhüllte weibliche Körper und Köpfe. Es ist zu befürchten, dass Frauen dort wieder vermehrt von religiösen Eiferern belästigt werden, nur weil sie ihre eleganten Kopftücher lässig tragen. Auch die Männer müssen sich einschränken, was Frisuren und Hemdenmode betrifft. Undenkbar hierzulande, sich nicht kleiden zu dürfen, wie man will. Oder?

Europäische Männer zwingen Frauen nicht, ihren Kopf oder sogar das Gesicht zu verhüllen. Nein, hier sollen sie gezwungen werden, die Burka und ähnliche vermummende Kleidungsstücke auszuziehen. Die Franzosen sind nach den Belgiern und Spaniern die nächsten, die ein solches Verbot planen. Heute hat die Nationalversammlung es befürwortet. Im September stimmt der Senat noch über das Gesetz ab, das im kommenden Jahr in Kraft treten soll. Es sieht vor, dass die Ganzkörperschleier nicht nur aus öffentlichen Gebäuden, sondern aus dem gesamten Straßenbild verschwinden. Auch in Deutschland denkt man bisweilen über ein Burka-Verbot nach. 

Die Argumentation ist immer dieselbe: Gesichtsverhüllende Schleier wie Burka und Nikab seien frauenfeindlich. Als wandelndes Gefängnis oder gar als wandelnder Sarg werden sie bezeichnet. Und ja: dieses monströse Kleidungsstück schränkt die Freiheit der Frauen ein. Es ist ursprünglich von Männern erdacht worden, um Frauen zu verstecken. Dahinter steckt ein Denken, das nicht zu unseren Vorstellungen von Menschenrechten passt. Doch Denken können wir nicht verbieten. Darauf einzuwirken, ist langwierig und mühsam. Es ist leicht, die Burka zu verbieten, doch ist es reine Symbolik. Für die Rechte der Frauen ist damit gar nichts erreicht. Eine unterdrückte Frau bleibt auch ohne Schleier eine unterdrückte Frau. Womöglich lässt der Mann sie ohne Burka überhaupt nicht mehr auf die Straße.

Zunächst einmal ist eine Burka oder ein Nikab einfach ein Kleidungsstück. Eines, das uns Europäern unverständlich ist. Schon das Kopftuchtragen verstehen wir nicht. Wir können schwer glauben, dass Frauen es freiwillig tragen. Aber ich persönlich verstehe zum Beispiel auch den harmlosen Reiz eines Zungenpiercings nicht. Es kommt mir wie Körperverletzung vor. Stöckelschuhe schränken die Bewegungsfreiheit ein. Aber kann ich wirklich behaupten, dass Frauen hohe Schuhe nur deshalb anziehen, weil Männer den anregenden Hüftschwung verlangen, der beim stöckeln entsteht? Selbst wenn ich das wollte, wäre es unmöglich nachzuweisen. Und ab welcher Absatzhöhe soll ich sie dann verbieten wollen?