Ursprünglich gab es 2367 Vermisstenanzeigen, erst die Hälfte von ihnen konnte erfolgreich bearbeitet werden: Wie die Duisburger Polizei mitteilte, sind noch immer 1138 Menschen als vermisst gemeldet. 40 Beamte sind damit beschäftigt, die Fälle aufzuklären und bitten die Angehörigen um Mithilfe. Die Polizei vermutet, dass möglicherweise ein großer Teil der Vermissten bereits wieder Zuhause sei. In diesem Fall sollten die Familie die Polizei informieren.

Am Samstag kam es während der Loveparade in Duisburg zu einer Massenpanik , bei der 19 Menschen getötet und 511 verletzt wurden. Der Polizei zufolge befänden sich 43 Menschen noch im Krankenhaus, ein Opfer schwebe in Lebensgefahr. Am Sonntag hatten die Behörden die Zahl der Verletzten mit 342 angegeben. Auf die Frage, ob die Todesopfer im Rahmen der Ermittlungen nun obduziert werden, wollte sich Staatsanwalt Rolf Haverkamp nicht äußern.

Die Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung aufgenommen, nachdem gegen die Veranstalter und die Stadt Duisburg massive Vorwürfe erhoben worden waren: Demnach weist das Sicherheitskonzept erhebliche Mängel auf, die Behörden hätten die Größe der Veranstaltung unterschätzt. Auch der Veranstaltungsort sei unpassend gewesen: Zu dem umzäunten Gelände eines stillgelegten Güterbahnhofs gab es nur einen Zugang, der durch einen Tunnel führte. Dort stauten sich die Massen stauten sich dort , die Menschen hatten kaum eine Chance, um zu entkommen.

Laut Haverkamp stünden die Ermittlungen noch am Anfang . "Es haben sich jede Menge Zeugen gemeldet, die werden auch alle vernommen." Am Samstagabend habe man die entsprechenden Unterlagen von Stadt, Veranstalter und Sicherheitskräften beschlagnahmt. "Da musste erstmal schnell der erste Zugriff erfolgen."

In die Planung der Loveparade eingebunden war auch die Duisburger Polizei. Diese nimmt Haverkamp aber in Schutz und verteidigte ihren Einsatz: "Wenn sich Hinweise auf eine Befangenheit ergeben, werden wir darauf auch reagieren." Wie das nordrhein-westfälische Innenministerium in Düsseldorf mitteilte, wird die Duisburger Polizei die Ermittlungen an eine andere Polizeibehörde abgeben, "um neutrale Ermittlungen zu gewährleisten".

Bislang gab es keine Beschuldigungen gegenüber der Polizei. Ganz im Gegenteil: Wie die Polizeigewerkschaft mitteilte, habe man bereits vor einem Jahr vor erheblichen Sicherheitsmängeln gewarnt. "Ich habe vor einem Jahr Duisburg als ungeeignet für die Loveparade abgelehnt und bin dafür als Spaßverderber und Sicherheitsfanatiker beschimpft worden", sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Rainer Wendt. "Aber die Verantwortlichen waren besessen von der Idee, etwas für diese gebeutelte Stadt zu tun. Ich bin alles andere als glücklich darüber, nun leider auf diese Weise bestätigt worden zu sein."

Auch in Bochum sah die Polizei die Sicherheit nicht gewährleistet. Dort wurde die Loveparade im vergangenen Jahr abgesagt.