Markus Schröder zittert am ganzen Körper, als er zum Megaphon greift. "Danke, dass Ihr alle gekommen seid", ruft er den Leuten vor dem Duisburger Rathaus zu. "Wir sind hier, weil wir die Schnauze voll haben!" Jubel bricht aus. Er hat den Ton getroffen, Schröders Gesichtzüge entspannen sich ein wenig.

Fünf Tage nach der Katastrophe von Duisburg haben sich an diesem Morgen über 300 Menschen vor dem Sitz des Oberbürgermeisters versammelt, um ihre Wut loszuwerden. Ihre Wut auf den Stadtchef, aber auch auf die Veranstalter, die Behörden und die Polizei; alle, die aus ihrer Sicht für die Toten vom Samstag verantwortlich sind.

Markus Schröder ist der Veranstalter der Demonstration, es ist überhaupt das erste Mal, dass der 40-jährige Maler sich politisch engagiert, ganz zu schweigen von der Organisation einer solchen Veranstaltung. Doch die Duisburger Katastrophe und das Verhalten der Stadtspitze in den Tagen danach machen einen Menschen wie ihn, der sichtbar mit dem Megaphon und seiner Rolle im Mittelpunkt fremdelt, zu einem Polit-Aktivisten.

"Wenn zu viele Leute kommen, habe ich ein Problem", sagt er vor Beginn sorgenvoll. Auch ein Polizist berichtet, man sei ein bisschen besorgt gewesen, dass da einer eine Demo veranstaltet, der davon gar keine Ahnung hat. 

"Der Oberbürgermeister sagt, das Sicherheitskonzept habe gegriffen – ja hat der sie noch alle?" ruft Markus Schröder von der Rathaustreppe. Er zittert immer noch, aber jetzt vielleicht vor Wut. Schröder ruft, es solle "endlich irgendjemand die Verantwortung übernehmen für die Toten". Irgendjemand müsse aus dem Rathaus kommen und sich erklären.

Antworten und Rücktritte – das ist es, weswegen sie alle heute gekommen sind. "Blut klebt an euren Händen", steht auf einem Plakat. Einer trägt gar einen Galgen vor sich her, an dem eine Stoffpuppe mit dem aufgeklebten Gesicht des Oberbürgermeisters baumelt. Die Vorwürfe der Redner richten sich an alle, die mit der Loveparade zu tun hatten. "Die Polizisten haben uns nicht geholfen, die haben nur zugeguckt", beschwert sich einer per Megaphon, der am Samstag eine Freundin verloren hat.

Die Demonstration wird auch zur Bühne derjenigen, die einmal ihre generelle Abscheu vor der Politik, vor dem System, loswerden wollen. "Kapitalismus tötet" steht unbestimmt auf einem Banner, "Schluss mit der Politik gegen die Bürger" und "Ihr wollt doch nur Profit machen" auf einem anderen. Als eine linke Rednerin sich über die "Verantwortungslosigkeit in der Gesellschaft" beschwert, die man auch in Afghanistan beobachten könne, reicht es einem Demonstranten: "Keine Politik hier, hau ab!", scheucht er sie weg.