Die zwölf vor der Küste Nigerias entführten Seeleute, darunter zwei Deutsche, sind wieder in Freiheit.  Sie würden nun nach Bonny unweit der Öl-Metropole Port Harcourt gebracht, sagte ein Sprecher des nigerianischen Militärs.

Ihr Frachtschiff war am Freitagabend vor der Küste des Niger-Deltas von einer Gruppe Bewaffneter überfallen worden. Nach Angaben von Nigerias Marine wurden neben den beiden Deutschen auch sieben Russen, ein Litauer, ein Lette sowie ein Ukrainer verschleppt. Ein weiteres ukrainisches Besatzungsmitglied ließen die Geiselnehmer demnach verletzt an Bord zurück. Der Mann wurde im Krankenhaus wegen Schussverletzungen behandelt.

Das Auswärtige Amt in Berlin hatte die Angaben des nigerianischen Militärs über die Entführung der beiden Deutschen bestätigt und richtete einen Krisenstab ein. Marinesoldaten hätten das verlassene Schiff gesichert.

Der Frachter

BBC Polonia

fährt nach Marineangaben unter deutscher Flagge. Das Auswärtige Amt bestätigte diese Angaben allerdings nicht. Der Internetseite

zufolge ist das Schiff im Karibikstaat Antigua und Barbuda registriert und war auf dem Weg nach Onne im Niger-Delta.

Bisher hat sich keine Gruppe zu der Entführung der Seeleute bekannt. Ein Marinesprecher sagte, der Überfall habe sich am Freitagabend in den Gewässern des Bundesstaates River State ereignet. Der Ort des Überfalls legt aber nahe, dass es sich um einen Angriff der Niger-Delta-Rebellen handeln könnte, die vor einigen Monaten den Waffenstillstand mit der Regierung erneut aufgekündigt hatten.

Im ölreichen Nigerdelta sind immer wieder Ausländer entführt worden. Zumeist kamen sie gegen Zahlung eines Lösegeldes wieder frei. Zuletzt waren im April zwei Deutsche am Ufer eines Flusses im Niger-Delta gekidnappt worden. Die Entführer verlangten damals nach Berichten aus Nigeria umgerechnet 150.000 Euro Lösegeld. Nach fünf Tagen waren die beiden Deutschen frei gekommen.

Wenige Tage vor dem Angriff auf das Handelsschiff hatten Piraten in den Grenzgewässern zwischen Kamerun und Nigeria ein Passagierschiff angegriffen und eine Frau getötet, vier Reisende wurden schwer verletzt. Überlebende berichteten am Freitag, zwölf Piraten hätten das Schiff am Dienstag geentert und das Feuer eröffnet.