Der Regisseur Roman Polanski ist frei. Die Schweiz entließ Polanski aus dem seit Dezember andauernden Hausarrest in Gstaad und entschied, ihn nicht an die USA auszuliefern. Das teilte Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf in Bern mit. Die Schweiz könne dem Auslieferungsgesuch der USA nicht stattgeben, sagte die Ministerin. Alle Auflagen für den Regisseur einschließlich der elektronischen Fußfessel wurden aufgehoben, auch die hinterlegte Kaution von umgerechnet drei Millionen Euro erhält er zurück.

Die Vereinigten Staaten werfen dem 76-Jährigen vor, sich in den siebziger Jahren an einer Minderjährigen vergangen und sich dann der Justiz entzogen zu haben . Er war Ende September 2009 wegen eines Haftbefehls in Zürich festgenommen worden.

Die USA können die Entscheidung der Schweiz Widmer-Schlumpf zufolge nicht anfechten. Die Ministerin begründete den Beschluss mit Mängeln in dem Auslieferungsgesuch. Die USA hätten ein Protokoll der Befragung des früheren Staatsanwaltes Roger Gunson nicht vorgelegt. Polanski zufolge soll Gunson im Februar ausgesagt haben, der damals zuständige Richter habe am 19. September 1977 gegenüber allen Parteien erklärt, "dass meine Haftzeit im Gefängnis von Chibno die Gesamtstrafe sei, die ich zu verbüßen hatte".

Treffe dieses Protokoll zu, habe Polanski seine Strafe tatsächlich bereits verbüßt und das Auslieferungsverfahren habe keine Grundlage mehr, sagte die Widmer-Schlumpf. Da die Schweiz keine Einsicht bekommen habe, könne man nicht ausschließen, dass Polanski die Strafe bereits verbüßt habe. 

Die Ministerin betonte, dass die Entscheidung nichts mit der Tat des Regisseurs zu tun habe. Man habe aber registriert, dass auch das Opfer um Nachsicht für den Täter gebeten habe. Die USA hätten Verständnis für die Entscheidung der Schweiz gezeigt, fügte sie hinzu.