Der wegen der Katastrophe bei der Loveparade mit 19 Toten in die Kritik geratene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland lehnt seinen Rücktritt weiterhin ab. Er könne diese Forderung nachvollziehen, teilte das Stadtoberhaupt in einer schriftlich verbreiteten Stellungnahme mit. "Doch heute und in den nächsten Tagen muss es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten und die vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen."

Zuvor hatte Sauerland einen Rücktritt nicht gänzlich ausgeschlossen. "Gestern und auch heute ist die Frage nach Verantwortung gestellt worden, auch nach meiner persönlichen. Ich werde mich dieser Frage stellen, das steht außer Frage", sagte er am Morgen im Radiosender WDR2 . Zunächst müsse es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse vom Samstag aufzuarbeiten . "Und wenn wir wissen, was da passiert ist, dann werden wir auch diese Frage beantworten. Das verspreche ich."

Gegen den CDU-Politiker richtet die Wut vieler Angehöriger. Am Sonntag war er von Trauernden körperlich angegriffen worden . Medienberichten zufolge wurde er ausgebuht und beschimpft, ein Mann hatte ihn mit Müll beworfen und am Jacket getroffen. Leibwächter sollen ihn weg zu seinem Dienstwagen gezogen haben. Sauerland bestätigte den Angriff. "Das ist so. Das waren Menschen, die trauern, die ihren Emotionen freien Lauf gelassen haben und das verstehe ich." Dennoch verteidigte er auch die Verantwortlichen der Stadt Duisburg. "Wir haben alles darum gegeben, ein sicherer Austragungsort zu sein. Dafür haben wir gearbeitet, dafür haben wir gekämpft." 

Bei der Katastrophe während der Loveparade gab es neben den 19 Todesopfern auch mehr als 500 Verletzte. Einer von ihnen schwebt noch immer in Lebensgefahr. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung aufgenommen und dazu die Unterlagen der Organisatoren beschlagnahmt. Diese werden mit massiven Vorwürfen wegen falscher Planung und Einschätzung des Massen-Events konfrontiert.

Sauerland sagte, es gebe drängende Fragen, auf die nun Antworten gefunden werden müssten. Die Stadt Duisburg werde die Staatsanwaltschaft in ihrer Arbeit unterstützen. Auch die Rolle der Stadt gelte es zu beleuchten. "Wenn sich die Stadt etwas vorzuwerfen hat, dann werden wir Verantwortung übernehmen", hieß es in der Erklärung des Oberbürgermeisters.

Ein internes Verwaltungsdokument aus Duisburg soll die Schwachstellen des Sicherheitskonzepts bei der Großveranstaltung mit insgesamt bis zu 1,4 Millionen Besuchern belegen. So habe der Veranstalter nicht die sonst vorgeschriebene Breite der Fluchtwege einhalten müssen . Zugleich sei das Gelände ausdrücklich nur für 250.000 Menschen zugelassen gewesen. 

Eine rasche Aufklärung der Ursache für das Unglück ist jedoch nicht zu erwarten. "Das wird Wochen, wenn nicht Monate dauern", sagte Staatsanwalt Rolf Haferkamp. Es müssten viele Zeugen befragt werden, die auch erst ausfindig gemacht werden müssten. "Wir werten auch Fotos und Videos aus." Zudem würden zahlreiche Unterlagen überprüft.