Die beiden freien Journalisten Thomas Datt und Arndt Ginzel kennen sich mit schwierigen Themen aus. Sie haben zur Leuna-Affäre recherchiert, einen Film über Angehörige von getöteten Afghanistan-Soldaten gedreht. Doch nun stehen sie vor Gericht, am Mittwoch könnte ein Urteil fallen.

Gegenstand der Anklage sind Artikel im Spiegel und auf ZEIT ONLINE von 2008 zum "Sachsen-Sumpf" – eine mögliche Korruptionsaffäre. Die beiden hatten Prostituierte befragt und versucht, Verstrickungen ranghoher sächsischer Justizvertreter ins Rotlichtmilieu nachzuweisen. Doch die zogen vor Gericht.

Die Klageschrift zielt nicht auf den Kern der Beiträge. Die Artikel sind inhaltlich unbestritten und noch immer online nachzulesen. Vielmehr zogen die Justizvertreter einzelne Formulierungen und aufgeworfene Fragen für eine Anklage wegen falscher, ehrverletzender Tatsachenbehauptung, übler Nachrede und Verleumdung heran.

Für den Spiegel schrieben die beiden Journalisten nicht einmal selbst: Sie gaben lediglich Rechercheergebnisse weiter, hatten mit der Formulierung des Artikels aber selbst nichts zu tun.

Reporter ohne Grenzen (ROG) und der Deutsche Journalisten-Verband forderten einen klaren Freispruch. "Alles andere wäre ein Skandal", sagte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske. "Eine Verurteilung würde künftige Berichterstattung zu Korruptionsaffären behindern und damit die Pressefreiheit beeinträchtigen." Schon die Einleitung des Strafverfahrens sei mehr als fragwürdig gewesen, beklagte ROG.

Die stellvertretende Bundesvorsitzende des Journalistenverbandes, Ulrike Kaiser, sagte, eine Verurteilung "würde den Rechtsstaat beschädigen und die Pressefreiheit verletzen". Denn das Verfahren sei ein Versuch der Einschüchterung.

Mit den Verdächtigungen und Vorwürfen, Justizbeamte hätten die Dienste minderjähriger Prostituierter in Anspruch genommen und später versucht, Ermittlungen zu erschweren, beschäftigt sich im Sächsischen Landtag bereits ein Untersuchungsausschuss.