Der Kampf um einen dauerhaften Verschluss des Bohrlochs im Golf dauert länger als geplant: Die US-Krisenbehörde ordnete an, einen großen Teil der Schiffe und des Geräts sowie die Plattform für die Entlastungsbohrung in Sicherheit zu bringen. Die geplante Entlastungsbohrung wird deshalb erst mehrere Tage später fertig.

"Wegen des Risikos durch den Tropensturm Bonnie für die Sicherheit der fast 2000 Menschen, die an der Bohrstelle gegen die BP-Ölpest kämpfen, werden sich viele der Schiffe von heute Nacht an darauf vorbereiten, dem Unheil aus dem Weg zu gehen", sagte der für die Bekämpfung der Katastrophe zuständige US-Admiral Thad Allen. Dazu gehöre auch die Plattform für das Entlastungsbohrloch, das die Quelle letztlich verschließen wird, sowie andere Schiffe.

Als letzte sollten die Unterwasser-Roboter zur Überwachung der provisorisch gestopften Ölquelle abgezogen werden. Sobald der Sturm vorüber sei, solle das Abschöpfen des Öls von der Meeresoberfläche sofort wieder beginnen.

Ein BP-Sprecher sagte allerdings, der Abzug von Arbeitern von den Ölplattformen behindere den Kampf gegen die Ölkatastrophe nicht. Es seien nur Arbeiter an Land gebracht worden, auf die man zwischenzeitlich verzichten könne. 

Die auf das lecke Bohrloch aufgesetzte Abdeckhaube, die in den vergangenen Tagen einen weiteren Ölaustritt verhinderte, soll auch nach dem Abzug von Schiffen und Gerät bleiben. Experten hatten dazu Bedenken geäußert, weil während des Sturms der Druck in dem Zylinder nicht überwacht werden kann und nicht auffallen würde, wenn Öl an anderen Stellen am Meeresgrund austräte. Allen sagte, er habe BP angewiesen, die Schiffe, von denen aus Untersee-Roboter zur Überwachung des Zylinders gesteuert würden, als letztes vor dem Sturm abzuziehen.

Das US-Hurrikan-Warnzentrum , auf dessen Internetseite aktuelle Sturmwarnungen verfolgt werden können, hatte am Donnerstag eine bisher als Tief bezeichnete Wetterlage zum "tropischen Sturm" heraufgestuft. Aufklärungsflüge ergaben, dass die Windstärke auf 65 Kilometer pro Stunde stieg. Der Sturm dürfte die Region am Samstagmorgen erreichen und bis Sonntagmorgen weitergezogen sein.

Auch für die Bahamas und Teile Floridas gibt es Sturmwarnungen. Das Tief zieht nach Nordwesten. Die Ankunft des Sturms in der Gegend des Bohrlochs erwartet der Admiral unterdessen am frühen Samstagmorgen (Ortszeit).

Erst Ende Juni hatte der Sturm "Alex" die Öl-Helfer gezwungen, ihre Arbeit zu unterbrechen . Das Unwetter zog dann aber über die mexikanische Halbinsel Yucatán und weiter nach Westen, wo er die Bundesstaaten Tamaulipas und Nuevo León unter Wasser setzte.

Die Behörden gaben unterdessen ein Drittel des bislang für die Fischerei gesperrten Gebietes im Golf von Mexiko wieder frei. Untersuchungen und Überflüge hätten über die vergangenen 30 Tage keine Hinweise auf Öl ergeben, teilte die Einsatzleitung mit.