Am frühen Nachmittag haben Bauarbeiter begonnen, den Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofes einzureißen. Die Bahn bestätigte inzwischen Berichte, die zuerst auf Twitter verbreitet wurden. In einem Livestream im Internet ist zu sehen, wie ein Bagger das Gebäude abträgt.

Die Arbeiten wurden von einem großen Polizeieinsatz begleitet. Olef Petersen, Sprecher der Stuttgarter Polizei, sagte ZEIT ONLINE, es seien mehrere hundert Beamte im Einsatz, unter ihnen auch Einheiten der Bereitschaftspolizei. Sie sollen das Bahnhofsgebäude von Demonstranten abschirmen, deren Zahl Petersen auf "ein paar hundert" schätzt.  

Ein Sprecher der Bürgerinitiative Parkschützer, die sich gegen den Umbau des Bahnhofes stellen, konnte keine genauen Angaben zur Zahl der Demonstrierenden machen, da sich viele vom Bahnhofsplatz in die Innenstadt begeben hätten.

Das Projekt, in dessen Verlauf der Stuttgarter Hauptbahnhof zu einem unterirdischen Durchgangsbahnhof umgebaut werden soll, ist umstritten. Erst in der vergangenen Woche haben etwa 20.000 Menschen gegen das Vorhaben demonstriert . Sie fordern einen sofortigen Baustopp und eine erneute Diskussion über den 4,1 Milliarden Euro teuren Umbau.

Im Laufe des Nachmittags rechnen Polizei und Parkschützer mit einer weiteren Großdemo, die bis in die Nacht dauern soll. Die Gegner des Vorhabens haben angekündigt, ihre Proteste zu verstärken, sollte der Abriss tatsächlich beginnen. In Anlehnung an die Anti-Atomkraftbewegung nannten sie das Datum "Tag X".

Die Bahn veranschlagt für den Rückbau des gesamten Nordflügels etwa zwei bis drei Monate. Sollten die Proteste andauern, werde die Polizei die Baustelle während des gesamten Zeitraumes sichern, sagt Polizeisprecher Petersen. Er rechnet ebenfalls mit einem längeren Einsatz: "Heute ist der Tag X."