Sherif Mikhail wäre das perfekte Beispiel für gelungene Integration. Der Ägypter könnte eine jener Vorzeigeeinwanderer sein, die Politiker gern als Beleg für erfolgreiche Migrations- und Bildungspolitik auf die Bühne stellen. Der 43-Jährige sagt Sätze wie "Ich liebe die Demokratie in diesem Land", er ist sehr gut ausgebildet. Und er will arbeiten.

Aber Sherif Mikhail ist das perfekte Beispiel für Deutschlands träge Migrations- und Bildungspolitik. Denn obwohl Industrie und Wirtschaft über einen Fachkräftemangel klagen , Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) seit vorvergangener Woche deswegen mehr Zuwanderung fordert und sogar eine " Lockprämie " vorschlägt, wird vergessen: Zehntausende, hochqualifizierte Einwanderer wie Sherif Mikhail sind schon längst da. Oft fristen sie hier ein Dasein als Niedriglöhner oder Hartz-IV-Empfänger, weil ihre im Ausland erworbenen Abschlüsse nicht anerkannt werden.

Jeder vierte Arbeitslosengeld-II-Bezieher ausländischer Herkunft hat in seiner Heimat einen Berufs- oder Hochschulabschluss erworben, der in Deutschland nicht anerkannt wird. Das zeigt eine Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Und die Beschäftigungschancen von Hartz-IV-Beziehern mit einem ausländischen Abschluss, der in Deutschland nicht anerkannt ist, sind ebenso schlecht wie die Chancen von Personen, die überhaupt keinen Abschluss haben, so die Studie. Deswegen hatte im letzten Jahr Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) erklärt: "Es kann nicht sein, dass hier viele Fachkräfte leben, die in ihrem Beruf nicht arbeiten können, nur weil sie ihren Abschluss im Ausland gemacht haben."

Doch, es kann sein. Und einer der Betroffenen ist Sherif Mikhail, geboren in Kairo, gestrandet in Gelsenkirchen. Der Zahnarzt und Oralchirurg findet – kurz gesagt –, dass er gut genug ausgebildet ist, um die Zähne der Menschen zu behandeln. Die Zahnärztekammer findet – kurz gesagt –, dass sein Studium und zwei absolvierte Facharztausbildungen nicht ausreichen, um deutsche Münder zu verarzten.

Sherif Mikhail hat fünf Jahre hat in Ägypten Zahnmedizin studiert, danach arbeitete er weitere fünf Jahre als wissenschaftlicher Assistent an der Uni – und behandelte Patienten. Während seiner Facharzt-Ausbildung zum Zahnchirurgen hatte er bereits seine eigene Praxis. Als Kopte gehört er in Ägypten zu einer diskriminierten Minderheit. Karriere zu machen oder gar öffentliche Ämter zu besetzen, ist für die Mitglieder dieser christlichen Glaubensgemeinschaft dort sehr schwierig. Deswegen wollte er weg. 1998 kam er mit einem Stipendium nach Deutschland, da war er 31.

Die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen kam zu dem Ergebnis, dass die ägyptische Ausbildung der deutschen gleichzustellen sei, Mikhail konnte einen Facharzt als Oralchirurg in Lübeck machen. Anschließend promovierte er und behandelte nebenbei Patienten. Doch dann kam die Sache mit der Zahnärztekammer und der Bezirksregierung.

2005, nach Beendigung seiner Promotion, entzog sie ihm seine Berufserlaubnis. Er klagte, aber das Oberverwaltungsgericht Münster folgte dem Standpunkt der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe: kein deutsches Studium, kein gültiger Abschluss. Der Staat, der Mikhail seine Ausbildung finanzierte, ihn jahrelang hat behandeln lassen, machte ihn zu einem Arbeitslosen.