Zu der Tagung in New York, die eine reguläre Sitzung des UN-Parlaments der 192 Nationen ist, wird US-Außenministerin Hillary Clinton erwartet. Für die Bundesrepublik wird Außenamtsstaatsminister Werner Hoyer zu der "kleinen Geberkonferenz" nach New York reisen.

Die USA haben bereits angekündigt, dass sie ihre finanzielle Hilfe für Pakistan aufstocken wollen. Nach Angaben eines Sprechers von Außenministerin Hillary Clinton haben die USA dem Land für die Bewältigung der Katastrophe bisher rund 90 Millionen Dollar (rund 70 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt. Zudem seien derzeit zahlreiche amerikanische Flugzeuge und Helikopter im Einsatz, die schon fast 6000 Menschen gerettet hätten. Die USA hatten ihre Hilfszusagen in den vergangenen Wochen bereits mehrfach ausgeweitet.

Nach dramatischen Appellen der Vereinten Nationen und von Hilfsorganisationen gehen nun doch mehr Spenden für die Opfer der Jahrhundertflut in Pakistan ein. Die Vereinten Nationen teilten mit, sie hätten inzwischen mehr als 40 Prozent der erbetenen knapp 460 Millionen Dollar (rund 357 Millionen Euro) Soforthilfe bekommen.

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Auch die Europäische Union hat ihre humanitäre Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe erhöht. Nach Angaben der zuständigen EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa stellt die EU-Kommission jetzt 70 statt 40 Millionen Euro bereit. "Das ist eine bedeutende Summe", sagte Georgiewa. "Aber dieses Geld ist nur Nothilfe, es reicht natürlich nicht, um Pakistan wieder aufzubauen."

Diese Satellitenbilder zeigen die Überflutungen im Süden Pakistans. Klicken Sie auf das Bild für eine größere Ansicht © Nasa

Bundespräsident Christian Wulff appellierte an die Deutschen, zu spenden. Im ARD-Brennpunkt am Mittwochabend rief er dazu auf, Hilfsorganisationen zu unterstützen. Wulff sagte zur anfangs zurückhaltenden Spendenbereitschaft für Pakistan : "Kritikwürdige Zustände dürfen nicht zulasten der dort betroffenen Menschen gehen. Es geht ums nackte Überleben." Millionen Kinder seien jetzt in allergrößter Not. Das ganze Ausmaß der Naturkatastrophe sei anfangs nicht ganz begriffen worden, sagte Wulff.

Die Bundesregierung hat ihre humanitäre Soforthilfe für die Opfer der Flutkatastrophe unterdessen um weitere zehn auf insgesamt 25 Millionen Euro erhöht. "Das Ausmaß der Überschwemmungen in Pakistan ist weitaus größer als ursprünglich angenommen", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP).

Die pakistanische Regierung in Islamabad sicherte zu, gewissenhaft mit den Hilfen umzugehen. Man überlege, ausländische Prüfer zur Überwachung der Verwendung von Spenden einzusetzen, sagte Innenminister Rehman Malik. Keinesfalls würden Mittel in die Hände von Extremisten gelangen. Die Hilfe gehöre "den Armen, den Flutopfern", sagte Malik. "Ich verspreche, dass sie bei ihnen ankommt." Die Zurückhaltung der Spender war unter anderem mit der Angst vor Korruption und dem Einfluss der Taliban in Pakistan begründet worden.

Die Europäische Union plant laut der Süddeutschen Zeitung für Oktober eine internationale Geberkonferenz, um den Flutopfern in Pakistan zu helfen. Dem diplomatischen Dienst der EU zufolge solle die Geberkonferenz an ein für Oktober in Brüssel geplantes Ministertreffen der Staatengruppe "Friends of Pakistan" angeschlossen werden. Diese Gruppe vereine 22 große Länder und Banken, die Pakistan beim Aufbau einer demokratischen Ordnung helfen wollen. Zu ihnen zählten die USA, China und Deutschland.

Der Chef der Meteorologiebehörde in Pakistan, Arif Mehmood, sagte in Islamabad, in den nächsten fünf bis sechs Tagen sei kein Regen vorausgesagt. Es könne allerdings einen Monat dauern, bevor die Überschwemmungen zurückgingen. Helfer versuchten weiterhin verzweifelt, die mehreren Millionen Notleidenden zu versorgen. In den vergangenen Tagen war es zu teils gewalttätigen Protesten von Flutopfern gekommen, die über Mangel an Nahrung klagten und sich von der Regierung im Stich gelassen fühlten.

Von der Jahrhundertflut in Pakistan sind nach UN-Angaben mehr als 15 Millionen Menschen betroffen. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist die Zahl der Obdachlosen auf mehr als vier Millionen gestiegen. Dies sei das Ergebnis von groben Schätzungen aus den am schlimmsten betroffenen Provinzen Sindh und Punjab, sagte ein UN-Sprecher. Damit hat sich die Zahl seit der vorherigen Schätzung etwa verdoppelt.