Das Spendenaufkommen für die Flutopfer in Pakistan bleibt gering. Die Regierung in Islamabad hat daher erneut an die Weltgemeinschaft appelliert, zu helfen und einen gewissenhaften Umgang mit den Hilfen versichert. Man überlege auch, ausländische Prüfer zur Überwachung der Verwendung von Spenden einzustellen, sagte Innenminister Rehman Malik.

Die EU hat eine internationale Geberkonferenz vorgeschlagen, um die benötigten großen Geldsummen für den langfristigen Wiederaufbau des Landes zusammenzubekommen.

Keinesfalls würden die Hilfen in die Hände von Extremisten gelangen, versicherte Malik. Die Zurückhaltung der Spender war unter anderem mit der Angst vor Korruption und dem Einfluss der Taliban in Pakistan begründet worden. Spender könnten sicher sein, "dass wir überprüfbar sind". Die Hilfe gehöre "den Armen, den Flutopfern", sagte Malik. "Ich verspreche, dass sie bei ihnen ankommt."

Seit Beginn der Flutkatastrophe hatten die Taliban versucht, durch eigene Hilfseinsätze und Spenden Einfluss auf die Regierung zu nehmen . "Die Regierung darf amerikanische Hilfe nicht annehmen", sagte ein Sprecher der pakistanischen Taliban-Organisation Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP), Azam Tariq. "Wir verachten Amerika und andere ausländische Hilfe und glauben, dass sie zu Unterwerfung führt." Dafür hatte die Organisation der Regierung 20 Millionen Dollar (rund 15 Millionen Euro) in Aussicht gestellt.

In den USA dagegen spricht man von einem " Kampf um die Herzen ", den die amerikanische und die pakistanische Regierung nicht verlieren dürfen. Die US-Regierung hat ihre Soforthilfe für Pakistan auf insgesamt 90 Millionen Dollar (über 70 Millionen Euro) aufgestockt. Das Geld werde genutzt, um über verschiedene Hilfsorganisationen Nahrungsmittel, Trinkwasser und Medikamente zu verteilen. Aber auch Hubschrauber und Behelfsbrücken werden zur Verfügung gestellt, um die Rettungsarbeiten zu beschleunigen. In mehreren Fällen waren die Helfer der Taliban lange vor den Regierungstruppen bei den Opfern eingetroffen.

Thomas Schwarz, Sprecher der Hilfsorganisation CARE Deutschland kritisierte dagegen, dass in der Diskussion um Hilfsgelder für Pakistan sehr oft von den radikalislamischen Taliban und Terrorismus die Rede sei. Wenn die Hilfsgelder erfahrenen und gut vernetzten Hilfsorganisationen und deren lokalen Partnern zur Verfügung gestellt würden, kämen diese auch direkt bei den Flutopfern an. Dagegen spiele für ihn die Überlegung, durch aktive Hilfe westlicher Regierungen und Organisationen den Einfluss der Taliban in Pakistan zurückzudrängen, keine Rolle. "Es muss keine politischen Gründe geben, um Hilfe zu leisten", sagte Schwarz. Schließlich gebe es ein Menschenrecht auf Nahrung und eine Verpflichtung zur Solidarität.

Die Weltbank schätzte die Auswirkungen der Katastrophe auf die pakistanische Wirtschaft als "gewaltig" ein; die Fluten hätten neben Straßen, Brücken und landwirtschaftlichen Flächen rund 723.000 Wohnhäuser zerstört oder beschädigt. Sie stellte am Montag einen Kredit in Höhe von 900 Millionen Dollar (rund 702 Millionen Euro) bereit.