"Nach Haiti und den Bränden in Russland müssen wir die Konsequenzen ziehen und eine echte EU-Eingreiftruppe für solche Krisenfälle aufbauen, die auf den nationalen Mitteln der Mitglieder beruht", schrieb Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in einem offenen Brief an EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso. Frankreich werde in Kürze konkrete Vorschläge dazu machen.

Zu Pakistan sagte Sarkozy, Frankreich sei bereit, militärische Mittel zu mobilisieren, um im Rahmen der Nato mit Schiffen und Flugzeugen Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete zu schaffen. "In dieser außergewöhnlichen Situation muss die Europäische Union sich komplett engagieren", schrieb Sarkozy.

Diese Satellitenbilder zeigen die Überflutungen im Süden Pakistans. Klicken Sie auf das Bild für eine größere Ansicht © Nasa

Es sei "essenziell", dass die Nothilfe schnell die Menschen vor Ort erreiche. Die EU könne zudem bereits damit beginnen, Wiederaufbaumaßnahmen festzulegen, die als "Instrument der Stabilität" bald nötig würden.

Dem Roten Kreuz zufolge könnte der Wiederaufbau Pakistans Jahre dauern. "Die Ernte ist zerstört und die Infrastruktur ist zusammengebrochen. Es könnten fünf Jahre vergehen, bis das Land wiederhergestellt ist", sagte Bekele Geleta, Generalsekretär der internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC). Pakistan zählt zu den ärmsten Ländern Asiens. Bereits vor den Überschwemmungen befand sich die pakistanische Wirtschaft in desolatem Zustand.

Derweil steigen in Deutschland die Spenden für das von der Flut betroffene Land langsam an. "Die Menschen merken allmählich, dass Spenden dringend nötig sind." Im Vergleich etwa zu dem verheerenden Erdbeben in Haiti im Januar dieses Jahres seien die Gelder bislang aber gering, sagte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann. "Die meisten Opfer haben keine Häuser mehr, keinen Acker, keine Lebensgrundlage", sagte sie. Nun drohten Krankheiten und Seuchen. "Es ist unsere humanitäre Pflicht, Pakistan zu helfen."

Nach Angaben der pakistanischen Katastrophenschutzbehörde (NDMA) kamen bislang über 1400 Menschen durch die Fluten ums Leben. 2022 weitere wurden verletzt. Mehr als 891.000 Häuser seien von den Wassermassen zerstört worden.

Die meisten Todesopfer gab es bislang in der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa. Dort starben bereits Kinder an Unterernährung. Wie der Sender Dawn TV unter Berufung auf Regionalpolitiker berichtete, sind die Todesfälle im Gebirgsdistrikt Kohistan eine Folge der schlechten Versorgungslage. Zerstörte Straßen machten es Hilfskonvois unmöglich, zu den Betroffenen vordringen.