Die Überschwemmungen sind die schwersten seit Jahrzehnten. Der Nordwesten Pakistans ist mittlerweile nach heftigen Monsunregenfällen kaum noch erreichbar. Weite Teile sind überflutet, Brücken und Straßen zerstört oder unpassierbar. Mehr als 1000 Menschen sind den Fluten bereits zum Opfer gefallen. Zugleich wuchs die Furcht vor dem Ausbruch von Infektionskrankheiten. Die Behörden melden aus der am schlimmsten betroffenen Provinz Khyber Pakhtunkhwa mehrere Cholera-Fälle.

Der Informationsminister der Provinz, Mian Iftikhar Hussain, bestätigte die Berichte. Menschen müssen nun dringend mit sauberem Trinkwasser und Nahrungsmitteln versorgt werden. Eine Panik gilt es zu vermeiden, denn Cholera ist vor allem ein logistisches Problem. Medizinisch lässt sich die Erkrankung gut behandeln. Die Behörden würden in Schulen Notunterkünfte errichten, um die Menschen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu versorgen, sagte Hussain. Der Informationsminister sprach von der "schlimmsten Flut in Khyber Pakhtunkhwa in der Geschichte des Landes". Die Rettungskräfte würden derzeit zudem versuchen, rund 1500 gestrandete Touristen in Sicherheit zu bringen.

Hussain bat die internationale Gemeinschaft um rasche Hilfe. Sollte es keine Unterstützung für die örtlichen Rettungskräfte geben, "könnte die Situation zu einem großen humanitären Desaster" werden. Mehr als 30.000 Rettungskräfte und Soldaten waren am Wochenende in den Überschwemmungsgebieten im Einsatz. Ein Armee-Sprecher teilte mit, etwa 19.000 Menschen seien mit Hubschraubern und Booten in Sicherheit gebracht worden.

Das komplette Ausmaß der Flutkatastrophe ist nach wie vor schwierig zu ermessen. Auch das UN-Büro für humanitäre Hilfe in Pakistan hat, wie die Rettungskräfte, Probleme an Informationen zu gelangen. "Wir haben noch kein vollständiges Bild, weil die Kommunikationswege zusammengebrochen sind. Es gibt Schwierigkeiten, unsere Büros in den Distrikten Nowshera, Swat und Charsada zu erreichen", sagte der Leiter des Büros, Manuel Bessler, dem britischen Sender BBC . Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge sind mindestens eine Million Menschen von den durch heftige Regenfälle ausgelösten Überschwemmungen betroffen. Noch rund 27.000 Menschen seien von der Außenwelt abgeschnitten.

Viele Menschen suchen in den Dörfern Schutz auf den Dächern ihrer beschädigten Häuser . Das pakistanische Fernsehen zeigte vom Hubschrauber aus aufgenommene Bilder. Neben den Menschen, die von den Wassermassen eingeschlossen sind, bahnen sich andere weiter mit ihren Habseligkeiten auf dem Rücken zu Fuß einen Weg durch die Fluten. Die Provinz im Nordwesten des Landes grenzt an Afghanistan. Viele Menschen dort wohnen in abgelegenen Bergdörfern.

In der pakistanischen Millionenstadt Peshawar trafen hunderte Überlebende ein. "Mein Haus ist überflutet. Ich konnte nur mit ein paar Sachen entkommen", sagte die 48-jährige Razia Bibi. Der 25-jährige Muqaddir Khan sagte, dass ihm das Hochwasser alles genommen habe. "Ich habe drei Jahre lang hart in Saudi-Arabien gearbeitet, um mir einen kleinen Laden aufzubauen, der innerhalb von Minuten weggespült wurde."