Die Ermittler suchen noch immer nach dem Motiv der Frau, die am Sonntagabend in Lörrach drei Menschen umgebracht hat und dann erschossen wurde. Die Frau hatte zunächst ihren Ex-Partner, 46, und ihren fünfjährigen Sohn getötet. Dann erstach sie einen Pfleger in einer nahe gelegenen Klinik und verletzte weitere Menschen, ehe die Polizei sie tötete.

In den ersten Stunden nach der Tat war von einem toten Mädchen die Rede gewesen. Die Täterin schoss mit einer kleinkalibrigen Faustfeuerwaffe. Wie der Oberstaatsanwalt von Lörrach, Dieter Inhofer, mitteilte, trug die Frau auch ein Messer bei sich. Damit erstach sie den Pfleger.

Laut Polizei war die Täterin 41 Jahre alt. Informationen, dass es sich bei der Frau um eine Rechtsanwältin aus Lörrach gehandelt haben soll, bestätigte die Polizei bislang nicht.

Erster Tatort war die Wohnung des Mannes in einem Mehrfamilienhaus in der Lörracher Innenstadt. Dort hatte es eine heftige Explosion gegeben. Diese sei von der Frau durch Brandbeschleuniger ausgelöst worden.

Der Mann und das Kind lebten gemeinsam in der Wohnung, die Frau nicht, sagten die Behörden. Auf ihrer anschließenden Flucht ins benachbarte Elisabethen-Krankenhaus tötete die Frau einen Pfleger und verletzte durch Schüsse vor dem Gebäude zwei Passanten sowie in der Klinik einen Polizeibeamten. Keiner der Verletzten schwebt mehr in Lebensgefahr.

Im Flur des ersten Obergeschosses wurde die Frau von der Polizei erschossen. "Durch ihr beherztes Eingreifen haben die eingesetzten Beamten Schlimmeres verhindert", sagte der baden-württembergische Landespolizeipräsident Wolf Hammann. Von der Explosion bis zum letzten Schuss seien nicht einmal 40 Minuten vergangen.

Aus dem brennenden Wohnhaus rettete die Feuerwehr sechs Erwachsene sowie ein Kind. 15 Bewohner mussten mit Rauchgasvergiftungen in Krankenhäuser gebracht werden. Im Einsatz waren rund 300 Polizisten und Retter aus ganz Südbaden.

Der tödliche Schusswechsel ereignete sich den Angaben zufolge in der gynäkologischen Abteilung des Krankenhauses.

Die Polizei sprach von einer "Amok-Lage" und riegelte den Bereich um das Krankenhaus ab. Versorgungszelte wurden aufgebaut, in denen traumatisierte Augenzeugen und Einsatzkräfte betreut wurden.

Der verletzte Polizist erlitt einen Kniedurchschuss. Die beiden ebenfalls schwer verletzten Passanten erlitten einen Rückendurchschuss sowie einen Streifschuss am Kopf.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, äußerte sich tief erschüttert über den Amoklauf: "Wir beten für die Opfer. Wir sind in Gedanken und unseren Gebeten bei den Verstorbenen, den Verletzten, den trauernden Angehörigen und Freunden sowie den Einsatzkräften von Polizei und Rettungsdiensten", sagte der Freiburger Erzbischof. Die Oberbürgermeisterin von Lörrach, Gudrun Heute-Bluhm, äußerte sich ebenfalls geschockt über die Bluttat.

Viele Fragen zum genauen Hintergrund der Tat sind noch offen. So ist unklar, wo die Frau lebte und was ihr Motiv gewesen sein könnte.

Die Ermittler in Baden-Württemberg wollen am Nachmittag weitere Details ihrer Untersuchungen bekannt geben.