Obwohl der heftige Regen inzwischen aufgehört hat, ist die Hochwassergefahr in Ostdeutschland nicht vorüber. Zwar sind die Pegelstände in Sachsen gesunken, allerdings wälzen sich die Fluten nun in Richtung Brandenburg. Etwa 2500 Bewohner der Innenstadt von Elsterwerda mussten ihre Häuser verlassen. Für 500 Menschen stünden Notunterkünfte bereit, sagte eine Polizeisprecherin.

Etliche Einwohner kamen bei Verwandten und Bekannten unter, andere zogen in höhere Stockwerke um. Patienten eines Klinikums werden auf andere Häuser in der Umgebung verteilt. In der Stadt stehen Keller unter Wasser, Straßen und Felder sind überflutet. Die Schüler eines Gymnasiums bekamen flutfrei.

Auch in Bad Liebenwerda bedroht das steigende Wasser der Schwarzen Elster die Innenstadt. Die Behörden bereiteten auch hier Evakuierungen vor. Streckenweise sind dort bereits Deiche überspült.

Die Flüsse im Süden des Bundeslandes waren vielerorts auf Höchststände angeschwollen. Im gesamten Landkreis Elbe-Elster herrscht Katastrophenalarm, an den Flüssen besteht Hochwasseralarmstufe vier.

Besonders kritisch sei die Lage am Fluss Schwarze Elster, sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude. "Das ist kein gewöhnliches Hochwasser. Wir haben an der Elster die höchsten jemals gemessenen Wasserstände", sagte der Behördenchef. Mancherorts könne der Fluss das Wasser nicht mehr fassen.

Auch die anderen Flüsse im Süden von Brandenburg hätten "hohe und höchste Wasserstände", sagte Amtspräsident Freude. Die Fluten der Pulsnitz überspülten bei Ortrand (Oberspreewald-Lausitz) die Autobahn A13. Daraufhin sperrte der zuständige Landkreis die Strecke zwischen dem sächsischen Thiendorf (Kreis Meißen) und dem brandenburgischen Ruhland vorübergehend.

Für Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ist das Hochwasser das bislang schlimmste des Jahres. "Die Situation bereitet mir Sorgen", sagte er bei einem Besuch in Spremberg (Spree-Neiße-Kreis), wo er sich über die Lage informierte. Nach Angaben des Innenministeriums sind mehr als 800 Helfer im Einsatz, rund 150.000 Sandsäcke werden in die Hochwassergebiete gebracht. In der Region bemühten sich bis zu 240 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk um das Abpumpen von Wasser an besonders gefährdeten Stellen.

An der brandenburgischen Neiße erwarten die Behörden am Abend den aus Sachsen kommenden Hochwasserscheitel. Dann werde dort voraussichtlich Alarmstufe vier erreicht. Der Wasserstand der Spree lag knapp unterhalb der Alarmstufe vier. Die Talsperre Spremberg habe aber viel Wasser aufgenommen, sodass für Cottbus und Berlin keine Gefahr bestünde, sagte Freude.

Derweil zog in Sachsen Umweltminister Frank Kupfer (CDU) bereits ein erstes Fazit: Die schlimmsten Befürchtungen seien nicht eingetreten. "Die Lage entspannt sich merklich", sagte auch eine Sprecherin des Görlitzer Kreises. Deswegen habe man am Morgen den Katastrophenalarm für den gesamten Kreis Görlitz aufgehoben. Auch viele Straßen seien wieder befahrbar.

Der Kreis Bautzen löste seinen Katastrophenstab auf. In den Fürst-Pückler-Park nördlich von Görlitz war nach einem Deichbruch wieder Wasser gelaufen, aber längst nicht so viel wie bei dem verheerenden Hochwasser Anfang August.

Angespannt blieb die Lage mancherorts in Sachsen aber trotzdem noch: Im Landkreis Meißen bestand der in der Nacht zuvor ausgerufene Katastrophenalarm zunächst weiter. Hier waren die Pegelstände nach Angaben des Lagezentrums der Polizei unverändert. Auch an der Talsperre Quitzdorf bei Niesky im Kreis Görlitz war am Abend das automatische Entlastungssystem angesprungen, um ein Überlaufen zu verhindern. Ein Teil des Wassers wurde in die umliegende Region abgelassen.

Erst vor sieben Wochen hatte eine Flutkatastrophe in Sachsen große Verwüstungen verursacht. Drei Menschen kamen ums Leben, es gab Schäden in Höhe von rund 800 Millionen Euro. Kupfer sagte, die Regierung habe noch keinen Überblick über die Schäden des neuen Hochwassers.