Der Prozess gegen den Unternehmer und ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung ist kurz nach Beginn bereits wieder vertagt worden. Der Vorsitzende Richter des Mannheimer Landgerichts, Michael Seidling, begründete dies mit einem Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen ihn und eine weitere Richterin. Das Verfahren soll nun am 13. September fortgesetzt werden.

Kachelmanns Verteidiger Reinhard Birkenstock sagte, der Befangenheitsantrag sei aus der Sorge erfolgt, "dass die beiden abgestellten Richter- Persönlichkeiten ihm nicht mit der nötigen Unvoreingenommenheit gegenüberstehen." Man habe dies "bewusst nicht öffentlich gemacht. Der Grund: Wir wollten die Richter-Persönlichkeiten nicht öffentlich angreifen." Das 67-seitige Ablehnungsgesuch wurde zu Protokoll der Geschäftsstelle des Gerichts gegeben. 

Der Prozess hatte mit leichter Verspätung unter großem Medieninteresse begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-jährigen Schweizer vor, seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Er hat die Vorwürfe stets bestritten. Bei einer Verurteilung drohen Kachelmann bis zu 15 Jahre Haft.

Der Moderator war Ende Juli nach rund vier Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen worden , weil Gutachten die Angaben des mutmaßlichen Opfers dem Oberlandesgericht Karlsruhe zufolge nicht eindeutig stützten. Die 37-jährige Radiomoderatorin tritt in dem Verfahren als Nebenklägerin auf und erschien zum Prozessauftakt in Begleitung eines Anwalts ebenfalls vor dem Mannheimer Gericht. Neben ihr sollen vor Gericht 25 Zeugen vernommen werden, darunter laut Staatsanwaltschaft auch "diverse weibliche Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten". Außerdem sind fünf Sachverständige geladen.

Die Nebenklägerin soll nach bisherigen Planungen erst am neunten Verhandlungstag (13. Oktober) aussagen. Der letzte planmäßige Termin ist für den 27. Oktober vorgesehen. Dann könnte ein Urteil gegen Kachelmann verkündet werden.