Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland hat seine Entscheidung verteidigt, trotz des Loveparade-Unglücks mit 21 Toten nicht zurückzutreten. Er sei überzeugt, "diese Form der Aufklärung auch den Opfern und ihren Hinterbliebenen schuldig zu sein", sagte der CDU-Politiker vor dem Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags. Er habe sich entschieden, trotz eines "fast beispiellosen öffentlichen Drucks" im Amt zu verbleiben. Das habe mit einem "Stehlen aus der mir übertragenen Verantwortung" gar nichts zu tun, sagte Sauerland weiter. Die 21 Toten seien eine Bürde, die ihn und seine Kollegen nicht mehr loslasse und sie ihr Leben lang nicht mehr verlassen werde.

Der Stadtchef kritisierte auch die "massiven Schuldzuweisungen" nach der Katastrophe. Dafür seien die Geschehnisse "zu ernst und zu tragisch". Eine "seriöse Aufarbeitung" sei nicht nur "äußerst komplex", sondern auch zu bedeutsam für Stadt, Land und nicht zuletzt für alle Betroffenen, als es bei schnellen Lösungen zu belassen.

Sauerland verwies auch auf ein im Auftrag der Stadt erstelltes Gutachten , wonach die Kommune bei Planung und Vorbereitung der Loveparade gegen keine Amtspflichten verstoßen habe.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) forderte ebenfalls ein Ende der Schuldzuweisungen. Diese seien unseriös. Es müssten Fehler und Unzulänglichkeiten identifiziert werden, damit es ein solches Unglück nicht wieder gebe. Es gehe aber Sorgfalt und Genauigkeit vor Eile und grober Vereinfachung.

Thema im Innenausschuss war auch ein im Auftrag des Düsseldorfer Innenministeriums erstelltes Gutachten. Dies war allgemein so gedeutet worden, dass es die Verantwortung vor allem beim Veranstalter und der Stadt sieht und weniger bei der Polizei. Der Verwaltungsrechtler Thomas Mayen, der das Gutachten erstellt hatte, betonte jedoch im Ausschuss, er habe sich auf die "abstrakte Verteilung" der Zuständigkeiten konzentriert. Er habe keine Aussagen dazu getroffen, ob diese korrekt oder nicht korrekt ausgeübt worden sein.

Der Rechtsanwalt der Loveparade-Opfer, Gerhart Baum, rechnet noch mit monatelangen Ermittlungen bis zur juristisch sauberen Klärung der Schuldfrage. Er könne sich vorstellen, dass es überschneidende Verantwortungsbereiche für das Unglück gegeben habe, sagte der FDP-Politiker und frühere Bundesinnenminister. Erst nach Abschluss der Ermittlungen werde sich herausstellen, wer strafrechtlich oder zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden könne.

Während der Loveparade am 24. Juli war an einem überfüllten Zugangstunnel eine Massenpanik ausgebrochen. 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.