Deutschland 2010: Migrantenkinder versagen in der Schule. Auf dem Schulhof wird türkisch, arabisch oder absonderliches Deutsch gesprochen. Migranteneltern erscheinen nicht zu Elternabenden, scheren sich nicht um die Ausbildung ihres Nachwuchses und nehmen Einladungen zu Sprachkursen nicht wahr. Ganze Stadtteile sind zu  Ghettos für Einwanderer geworden, die eigentlich gar keine mehr sind, weil sie seit drei Generationen hier leben. Deutsche Eltern werden darüber immer erfinderischer, um ihre Kinder aus Schulen zu retten, in denen 80 Prozent der Mitschüler schwach in Deutsch, dafür aber umso stärker im Mobben von "Schweinefleischfressern" sind.

Und dann kommt ein Mann, der all das (und noch viel mehr) ausspricht. Thilo Sarrazin. Selbst wer seine These von der angeborenen Dummheit der Muslime nicht teilt, sagt nun: Immerhin hat er eine überfällige Debatte angestoßen, die jahrelang tabuisiert wurde.

Welch Irrtum. Dieses Tabu gibt es nicht. Schon lange nicht mehr.

Deutschland ist längst nicht mehr das Land, in dem totgeschwiegen wird, was alles schief läuft mit der Integration. Die Grünen bejubeln Multikulti nicht mehr vorbehaltlos , die CDU negiert nicht mehr, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, und auch die Medien haben ihre alte Scheu abgelegt, die Probleme beim Namen zu nennen.

Nein, die Missstände werden seit Jahren öffentlich diskutiert. Nahezu jede Schulstudie thematisiert sie. Und seit geraumer Zeit wird an der Lösung des Problems gearbeitet. Es gibt die (inzwischen weitgehend entideologisierte) Islamkonferenz, um die uns viele Länder beneiden. Es gibt Hunderte Projekte und Ideen an Schulen. Manche haben heute schon Erfolg, bei anderen werden sich Ergebnisse erst nach Jahren zeigen. Oft wissen wir also, was zu tun wäre. Nur lassen wir uns noch nicht konsequent darauf ein. Die verstorbene Jugendrichterin Kirsten Heisig hat das oft beklagt.

Deshalb braucht es viel Beharrlichkeit und Geduld, um die Dinge zum Guten zu ändern. Sarrazin katapultiert die Debatte jedoch ins Vorgestern zurück. Solange wir uns aber für  Erfolge in der Integrationsarbeit nicht interessieren, solange wir lieber über das große Ganze schwadronieren anstatt über konkrete Maßnahmen zu reden, so lange müssen wir feststellen: Es steht nicht gut um die Integration in Deutschland.