Keine weitere Annäherung zwischen Gegnern und Befürwortern von Stuttgart 21: Gangolf Stocker, Chef der Bürgerinitiative "Leben in Stuttgart – Kein Stuttgart 21" sagte, ein weiteres Gespräch mit den Projektträgern sei nur sinnvoll, wenn der Südflügel des Hauptbahnhofs nicht abgerissen werde und es keine Eingriffe in den Schlosspark gebe.

Demonstranten besetzten mehrere Bäume im Schlossgarten. Tausende gingen am Abend gegen das umstrittene Bahnprojekt auf die Straße. Rund 18.500 Demonstranten waren es nach Angaben der Veranstalter, die Polizei sprach von mehr als 8000 Teilnehmern. Vertreter beider Seiten waren am vergangenen Freitag auf Anregung des Stadtdekans Michael Brock im Haus der katholischen Kirche zu einem Sondierungsgespräch zusammengekommen.

Die Bahn und Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) zeigten sich enttäuscht vom Rückzieher der Gegner. "Es ist schade, dass der Dialog einseitig aufgekündigt wird", sagte Mappus. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass die Arbeiten für das Projekt auch während künftiger Gespräche weitergehen müssten , teilte die Bahn mit. Die Hand für einen Dialog bleibe weiter ausgestreckt.

Gegen einen Baustopp sprach sich auch der ehemalige Bahnchef Heinz Dürr aus. Vielen Gegnern, wie etwa den Grünen, gehe es gar nicht um den Bahnhof, sondern um die Macht, sagte er der Tageszeitung taz : "Die Bahn überlebt, wenn Stuttgart 21 nicht gebaut wird. Aber Stuttgart bleibt dann eben eine Provinzstadt ohne Potenzial."

Laut Plan soll der Hauptbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umgebaut und an die geplante Schnellbahnstrecke nach Ulm angebunden werden. Nach Angaben der Bahn kostet das Gesamtprojekt etwa 7 Milliarden Euro. Die Gegner berufen sich auf Studien, wonach 10 bis 18 Milliarden Euro anfallen könnten.