Freudentaumel in Chile: Die ersten Kumpel sind nach mehr als zwei Monaten in dunkler Tiefe wieder heil an der Oberfläche. Als erster der 33 verschütteten Männer wurde Florencio Ávalos mit einer engen Rettungskapsel aus dem unterirdischen Gefängnis befreit. Der 31-Jährige wurde nach seinem 16-minütigen Aufstieg von seiner überglücklichen Familie in Empfang genommen. Er atmete die erste frische Luft nach 69 Tagen in der Gold- und Kupfermine in der Atacama-Wüste. Auch Chiles Präsident Sebastian Piñera umarmte Ávalos. Aus der begeisterten Menge der Zuschauer tönten "Chile! Chile!"-Rufe.

Auch der zweite Kumpel, erreichte sicher die Oberfläche. Mario Sepúlveda schrie sein Glück heraus und führte einen wahren Freudentanz auf. Er bedankte sich bei der Regierung und den Helfern. "Ich bin sehr stolz auf die Regierung, die wir haben", sagte der 40-Jährige kurz nach seiner Rettung in einem von der BBC übertragenen Interview. "Ich werde nie müde, mich zu bedanken." Es sei "außerordentlich", was die Retter geleistet hätten. "Ich bin sehr glücklich, hier oben zu sein. Ich war immer sicher, dass ich heraus komme und ich habe immer daran geglaubt."

Mit einem breiten Lächeln im Gesicht ist der 52-jährige Juan Illanes als Dritter gerettet worden. Nach dem Ausstieg aus der Rettungskapsel fiel der frühere Soldat seiner Frau Carmen in die Arme. Unter dem Applaus der Umstehenden umarmten Bergbauminister Laurence Golborne und Staatschef Sebastian Piñera den Mann. Im Anschluss wurde er auf einer Trage zu einer ersten ärztlichen Untersuchung gebracht.

Die Rettung der Bergleute im Live-Stream 

Am Nachmittag waren zwölf Kumpel aus der Mine gerettet, darunter auch Carlos Mamani, der einzige Bolivianer unter den verschütteten Bergleuten. Alle erhielten eine dunkle Sonnenbrille, mit der sie ihre Augen nach fast zehn Wochen unter Tage vor den plötzlichen Sonnenstrahlen schützten.

Die Geretteten kommen zunächst in ein bereitstehendes Behelfslazarett, wo sie kurz untersucht werden. Per Hubschrauber werden dann je vier von ihnen in die Klinik der nahe gelegenen Stadt Copiapó geflogen. Dort sollen sie zwei Tage unter medizinischer Beobachtung bleiben. Experten rechnen damit, dass manche der Bergleute erst nach der Rückkehr in ihren Alltag psychische Probleme bekommen werden.

Jeden einzelnen Geretteten begrüßten die Angehörigen und auch die rund 1600 Journalisten aus aller Welt mit Jubelschreien, Hochrufen, Beifall und Freudenausbrüchen. Auch bei Berichterstattern flossen die Tränen. Luftballons in den chilenischen Nationalfarben Rot, Weiß und Blau stiegen in den klaren Nachthimmel. Das ganze Land fieberte an den Fernsehgeräten der Ankunft der Kumpel entgegen. Überall läuteten die Kirchenglocken. Die Frauen, Kinder, Eltern und Freunde der Verschütteten hatten seit dem Unglück in einem Zeltlager mit dem Namen Camp der Hoffnung ausgeharrt.

Die Bilder von der unglaublichen Freude über die Rettung konnten auch die anderen Kumpel in mehr als 600 Metern Tiefe sehen, die einer nach dem anderen bis zum Donnerstag nach oben gezogen werden sollen.

Präsident Piñera bezeichnete die Rettungsaktion als "ohne Vergleich in der Geschichte der Menschheit". Bislang sei so etwas nicht versucht worden. "Diese Geschichte darf nicht vergessen werden", sagte der Präsident. Sie zeige, dass ein vereintes Chile Großes erreichen könne. 

Auch das Ausland nahm großen Anteil an der Bergungsaktion. US-Präsident Barack Obama ließ seine guten Wünsche übermitteln: Seine Landsleute seien in ihren Gebeten bei den Bergleuten und deren Familien. Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich sehr erfreut und erleichtert. "Ganz Deutschland freut sich mit den Bergleuten und ihren Angehörigen. Der erfolgreiche Beginn dieser Rettungsaktion ist ein modernes Wunder", sagte der FDP-Vorsitzende.