Weniger Mitarbeiter, bessere Kommunikation: Das sind die Forderungen der Strukturkommission der Bundeswehr, die sich in den vergangenen Monaten mit dem Aufbau des Verteidigungsministerium und der Armee beschäftigt hat. Der Vorsitzende der Kommission, Frank-Jürgen Weise, schlägt vor, das Verteidigungsministerium zu halbieren. "Ein Ministerium muss ja der Logik folgen: Hier wird der politische Wille artikuliert. Und aus meiner Sicht braucht man höchstens die Hälfte der Menschen dazu," sagte Weise im Bericht aus Berlin der ARD.

Statt derzeit rund 3300 wären dann also nur noch etwa 1600 Mitarbeiter im Ministerium – konzentriert in Berlin. In Bonn gäbe es nur noch eine untergeordnete Bundeswehr-Behörde. Weise nannte die derzeitigen Strukturen "nicht erfolgsfähig". Die Mehrheit der Mitarbeiter seien geprägt von unklaren Zuständigkeiten. "Diese verschiedenen Stäbe, die zum Teil die Informationen verfälschen und blockieren, die braucht es nicht", sagt Weise weiter.

Neben Weise, der auch Chef der Bundesagentur für Arbeit ist, sind unter anderem die ehemalige Präsidentin des Bundesrechnungshofes, Hedda von Wedel, und der frühere Nato-General Karl-Heinz Lather in dem Gremium. Am Dienstag werden sie einen 114seitigen Bericht mit dem Titel Vom Einsatz her denken. Konzentration, Flexibilität, Effizienz vorstellen. Darin wird die Strukturkommission Vorschläge für eine "radikale Erneuerung der Bundeswehr" vorlegen. Ihrer Ansicht nach darf dabei die Truppenstärke nicht so radikal abgesenkt werden, wie Generalinspekteur Volker Wieker vorgesehen hatte. Der oberste Soldat der Armee schlug einen Mindestumfang von 163.500 Soldaten vor. Die Strukturkommission empfiehlt dagegen eine Truppenstärke zwischen 180.000 und 190.000 Soldaten.

Deutlichen Verbesserungsbedarf sieht die Kommission zudem bei der Beschaffung von Kriegsgeräten "Wir glauben, dass dieser Rüstungsprozess ganz anders organisiert werden muss", so Weise. Etliche Rüstungsvorhaben seien noch während des Kalten Krieges geplant worden. Eine Anpassung auf die aktuellen Bedürfnisse habe weder qualitativ noch quantitativ ausreichend stattgefunden. Daher fordert die Kommission, dass die Bundeswehr viel stärker auf die Erfordernisse der Einsätze ausgerichtet werden muss.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagte der ARD, er werde die Ergebnisse bis Ende Januar prüfen lassen, um dann zu entscheiden, wie viel davon in der Bundeswehrreform umgesetzt werden könne. Wenn die Truppe weniger stark verkleinert wird, kann Guttenberg nicht so viel sparen, wie Finanzminister Wolfgang Schäuble von ihm verlangt. Bei der Sparklausur der Bundesregierung im Juni hatte man den Verteidigungsminister verpflichtet, in vier Jahren 8,2 Milliarden Euro einzusparen.