Für die 33 verschütteten Kumpel in Chile geht ein 69 Tage währendes Martyrium zu Ende. In der Nacht werde damit begonnen, die Arbeiter aus der Mine San José wieder an die Erdoberfläche zu befördern, sagte Bergbauminister Laurence Golborne.

Der Plan für die aufwendigste Rettungsaktion in der Bergbaugeschichte ist minutiös ausgearbeitet: Zunächst soll ein vierköpfiges Rettungsteam in 700 Meter Tiefe fahren, um die Männer vorzubereiten und die Reihenfolge festzulegen, in der sie geborgen werden. Jeder von ihnen wird dazu eine von drei Rettungskapseln besteigen, die sie in dem nur einen halben Meter breiten Schacht einzeln nach oben bringen soll.

Ein gewagtes Unterfangen, das auch den Bergleuten Angst macht: Nach Angaben Alberto Segovia, dessen Bruder Dario eingeschlossen ist, beten die Kumpel "viel, um ihre Anspannung zu lösen". Alle hätten Angst, niemand wolle als erster in die enge Rettungskapsel, auch sein Bruder nicht, schildert Segovia. Nervös war auch Mario Gomez, der älteste der Eingeschlossenen, wie dessen Frau sagte. "Sie gehen ständig durch ein Wechselbad der Gefühle", erzählte sie. "Es gibt sehr viel Freude – aber auch sehr viel Angst." 

Die Rettung der Bergleute im Live-Stream

Schließlich haben sie bereits eine extrem schwere Zeit hinter sich. Noch nie war ein Mensch so lange verschüttet. In den ersten Tagen nach dem Grubeneinsturz am 5. August gab es zudem keinen Kontakt zur Außenwelt. Kaum jemand glaubte, dass die Bergleute überlebt hatten. Als man sie durch eine kleine Suchbohrung doch noch fand , mussten sie die Nachricht verarbeiten, dass es wohl bis Weihnachten dauern würde, sie aus der Tiefe zu holen. Ein ausgeklügeltes Beschäftigungs- und Fitnessprogramm half den Männern, die belastende Zeit zu überstehen. Nun ging es doch schneller als geplant.

Der Leiter der Bergungsarbeiten, Andres Sougarret, versuchte die Kumpel und ihre Familien kurz vor der Bergung zu beruhigen: Alle möglichen Pannen bei der Bergung seien durchgespielt und Lösungen ausgearbeitet worden. 

Die letzten Stunden im Camp Hoffnung © Cezaro de Luca /​EPA/​dpa

Nach ihrer Ankunft an der Oberfläche sollen sich die Bergleute waschen, es kümmern sich Sanitäter und Psychologen um sie. Anschließend können sie ihre Angehörigen wieder in die Arme schließen. Das jedoch nur für kurze Zeit: Die Kumpel müssen noch ihre Fingerabdrücke bei der Polizei abgeben. "Es läuft ein Ermittlungsverfahren wegen eines Unglücks", sagte der Polizeipräfekt Luis Mardones. In diesem Zusammenhang würden die Fingerabdrücke zur Identifizierung benötigt. Es handelt sich dabei jedoch nur um Vorsicht, da die Männer nach dem Unglück in der Mine vermisst gemeldet worden waren.

Ist auch das erledigt, stehen Hubschrauber bereit, um die Kumpel in die rund 40 Kilometer entfernte Klinik von Copiapó zu fliegen. Die Aktion soll insgesamt nicht länger als 48 Stunden dauern.

Auch nach ihrer Rettung dürften die Bergleute noch keine Ruhe haben. Denn das Medieninteresse an ihrem Schicksal ist gewaltig , Journalisten wollen Details des Lebens unter Tage erfahren. Mehr als 1700 Reporter sind am Unglücksort, um die Rettung zu beobachten, auch mehrere deutsche Sender haben angekündigt, live aus Chile zu berichten. Die Behörden erwarten, dass insgesamt bis zu 4000 Menschen der Bergung am Ort des Geschehens beiwohnen wollen.

Diesen Ansturm ahnend, baten die Bergleute bereits um einige Tage Ruhe nach der Rettung. Auch Psychologen warnten vor möglichen Traumata infolge des Medieninteresses sowie der langen Zeit unter Tage. Doch für die Frauen, Kinder, Eltern und Freunde der Verschütteten hatten all diese Probleme zunächst noch keine Bedeutung: Ängstlich und zugleich erwartungsfroh harrten sie in einem Zeltlager mit dem Namen " Camp der Hoffnung " tagelang aus, um die Kumpel zu begrüßen.