Das Drama der 33 in Chile verschütteten Bergleute geht nach fast zehn Wochen seinem glücklichen Finale entgegen: Ohne Zwischenfälle beförderten die Helfer seit dem frühen Mittwochmorgen einen Kumpel nach dem anderen in einer Rettungskapsel aus ihrem unterirdischen Stollen an die Erdoberfläche. 69 Tage zwischen Angst und Hoffnung in 625 Metern Tiefe sind für die Bergarbeiter nun zu Ende. Eine Rekordzeit – nie zuvor musste ein Bergmann solange unter Tage ausharren.

Als erster war der 31-jährige Vorarbeiter Florencio Ávalos in den Rettungskäfig gestiegen, der ihn durch einen in den vergangenen Wochen gebohrten Schacht in die Kühle der Nacht der Atacama-Wüste beförderte. Wie die folgenden Kumpel fiel auch Ávalos erleichtert seinen Angehörigen in die Armee. Andere Männer schrien ihre Erleichterung heraus, weinten und umarmten glückstrunken die Helfer am Schacht der Mine San José.

Etwa 800 Verwandte und Freunde beklatschten und bejubelten jeden einzelnen der Grubenarbeiter , die in den folgenden Stunden aus der Rettungskapsel stiegen. Nach Wochen des Bangens um das Leben der Männer brachen sie vor Erleichterung in Tränen und Jubelschreie aus. Auch der bei der Rettung anwesende chilenische Staatschef Sebastian Piñera war sichtbar glücklich über die problemlos gestartete Rettungsaktion und bezeichnete sie als "einmalig in der Geschichte der Menschheit".

Die Rettung war ein Ereignis von Weltrang und aufwändig inszeniert. Luftballons in den chilenischen Nationalfarben Rot, Weiß und Blau stiegen in den Himmel. Das ganze Land fieberte an den Fernsehgeräten mit, vielerorts läuteten die Kirchenglocken. Die Bilder von der unglaublichen Freude über die Rettung konnten auch die noch immer verschütteten Bergleute sehen.

Die Rettung der Bergleute im Live-Stream

Um ihre Augen nach Wochen in der Dunkelheit vor dem Tageslicht zu schützen, erhielten alle Bergleute extra dunkle Sonnenbrillen. Nach einem kurzen Treffen mit ihren Angehörigen und einer ersten ärztlichen Untersuchung nahe der Mine wurden die Männer in ein Krankenhaus im nahen Copiapo gebracht, wo sie nun zwei Tage lang untersucht werden sollen. Der Gesundheitszustand der Männer sei "ziemlich gut" und teilweise sogar besser als erwartet, sagte Gesundheitsminister Jaime Mañalich auf einer Pressekonferenz.

Die Rettung in der engen Kapsel mit dem Namen Fenix 2 verlief in den ersten zehn Stunden völlig reibungslos. Weniger als eine Stunde dauerte es im Schnitt, die Kapsel zu prüfen, hinabzulassen und einen Kumpel nach oben zu ziehen. Präsident Piñera rechnet damit, dass die Aktion noch am selben Tag abgeschlossen werden kann. Als Letzter sollte Schichtleiter Luis Urzúa in die Kapsel steigen, der in der Tiefe entscheidend zum Zusammenhalt der Gruppe beitrug. Insgesamt haben die Rettungskräfte bis zu zwei Tage für die Bergung veranschlagt.

Als neunter Geretteter entstieg der älteste der Verschütteten, der 63-jährige Mario Gómez, der Rettungskapsel. In den Händen hielt der vierfache Vater die blau-weiß-rote Fahne Chiles. Gómez war im August zur weltweiten Berühmtheit geworden. Er war es, der die erlösende Botschaft auf ein Blatt Papier kritzelte, dass alle 33 Kumpel am Leben und wohlauf seien. Da saßen die Bergarbeiter bereits seit 17 Tagen in der am 5. August verschütteten Mine fest, und die Experten hatten schon fast die Hoffnung aufgegeben, sie noch lebend vorzufinden. Dann aber stießen sie mit einer kleinen Sonde zu dem Schutzraum vor, in den sich die Kumpel geflüchtet hatten.

Wie bereits in den vergangenen Wochen wurde das Schicksal weltweit mit großer Anteilnahme und Spannung verfolgt . Die spektakuläre Rettung ist das Medienereignis des Jahres, live übertragen von internationalen Sendern wie CNN und Al Jazeera. Von den Geschehnissen an der Mine berichteten rund 2000 Journalisten, darunter auch etliche deutsche Berichterstatter. Der Andrang am Ort des Geschehens war so groß, dass den Behörden die Presseausweise ausgingen und sie viele Reporter mit handgeschriebenen Dokumenten ausstatten mussten.

Auch Boliviens Präsident Evo Morales kam, um den einzigen Nicht-Chilenen im Team, Carlos Mamani aus Bolivien, zu besuchen. Der Sender BBC berichtete, Mamani sei eingeladen, in der Präsidenten-Maschine zurück in die Heimat zu fliegen. Als Mamani aus der Kapsel stieg, hatten Chiles Präsident Piñera und einige Helfer bolivianische Fähnchen geschwenkt. Die gespannten Beziehungen der Länder schienen vergessen. Die Rettung Mamanis sei das Symbol einer neuen Einheit zwischen beiden Ländern, lobte die bolivianische Zeitung Los Tiempos .

Gefreut haben dürften sich die oft tiefgläubigen Chilenen vor allem über die Worte von Papst Benedikt XVI. "Ich empfehle die Bergleute weiterhin mit Hoffnung der Güte Gottes", sagte das katholische Kirchenoberhaupt während seiner Generalaudienz vor 25.000 Gläubigen in Rom. Auch weltliche Führer fanden wohlwollende Worte. US-Präsident Barack Obama wünschte Glück. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso schrieb: "Die Kameradschaft und die Widerstandskraft der Bergleute, die Planung und Effizienz der Rettungsaktion und die Solidarität aller haben der Welt eine Botschaft der Hoffnung und Zuversicht gegeben."

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ ihre Freude über ihren Sprecher ausdrücken: "Unsere Gedanken und unsere guten Wünsche sind bei den Chilenen – bis zu dem Moment, wo der letzte gerettet ist."