In Haiti hat die Cholera nun auch die Hauptstadt Port-au-Prince erreicht. Nach Angaben der Sprecherin des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), Imogen Wall, vom Samstagabend (Ortszeit) sind die fünf Infizierten isoliert und würden behandelt. Im US-Fernsehsender CNN sagte Wall, dies sei eine "sehr beunruhigende Entwicklung". Es gelte jetzt, Pläne vorzubereiten, um auch für das Schlimmste gewappnet zu sein.

Die Gesundheitsbehörden arbeiteten daran, die Ausbreitung der Cholera in der Hauptstadt zu verhindern. Das Auftauchen dieser fünf Fälle bedeute nicht, dass die Cholera bereits in der Stadt umgehe. Alle fünf hätten sich in dem bisher betroffenen Gebiet im Norden des Landes angesteckt.

Die Krankheit war Mitte der Woche völlig überraschend in Gebieten nördlich der Hauptstadt ausgebrochen. Es wird vermutet, dass die Menschen in den Niederungen verseuchtes Wasser aus dem Fluss Artibonite tranken und erkrankten. Die UN und zahlreiche Hilfsorganisationen brachten am Samstag Wasseraufbereitungsanlagen und medizinisches Gerät vor allem in das Provinzzentrum Saint-Marc, wo Tausende von Menschen in den Krankenhäusern Hilfe suchten.

Trotz rascher und umfassender Hilfsmaßnahmen der internationalen Organisationen ist die Zahl der Cholera-Toten weiter gestiegen. Bis zum Samstagabend waren an der im Department Artibonite ausgebrochenen Krankheit mehr als 200 Menschen gestorben. Mindestens 3000 wurden in völlig überfüllten Krankenhäusern behandelt.

In der Hauptstadt leben seit dem verheerenden Erdbeben vom Januar noch immer Tausende Menschen in Notunterkünften unter teils katastrophalen hygienischen Bedingungen. Aus den seit Januar bestehenden Obdachlosenlagern in Port-au- Prince wurden bisher keine Cholera-Erkrankungen bekannt. Viele Camps gelten als besser versorgt als die verarmten ländlichen Gebiete und verfügen durch die internationale Hilfe in der Regel über sauberes Trinkwasser.

Nach Angaben der Gesundheitsorganisation blieb die benachbarte Dominikanische Republik von der Cholera bislang verschont. Die haitianische Regierung erstellte jedoch für die Grenzregion bereits einen Notfallplan.

Die Cholera verursacht lebensgefährliche Durchfälle. Bakterien ( Vibrio Cholerae ) lösen die durch mangelnde Hygiene verursachte Erkrankung aus, die im Extremfall binnen weniger Stunden zum Tod führen kann. Die meisten Menschen infizieren sich über Trinkwasser, das mit Fäkalien verschmutzt ist, oder über verunreinigte Lebensmittel. Typische Symptome sind starke Durchfälle und Erbrechen.

Hauptursachen von Epidemien sind das starke Bevölkerungswachstum in Slumgebieten, die damit verbundenen katastrophalen hygienischen Bedingungen, der Mangel an sauberem Trinkwasser und Überschwemmungen. Die Cholera hatte sich in den vergangenen zwei Jahrhunderten aus dem indischen Gangesdelta auf mehrere Kontinente ausgebreitet. Aus Asien, Afrika oder Südamerika wird der Erreger mitunter nach Mitteleuropa eingeschleppt.