Vor der Küste Ostafrikas haben Piraten gleich mehrfach erfolgreich Schiffe gekapert. Zunächst überfielen Seeräuber vor Kenia einen Flüssiggastanker mit deutschem Kapitän. Das bestätigte Gerald Lim, einer der Direktoren des Schiffseigners York Maritime Company, in Singapur. Über die Situation des Kapitäns und der überwiegend philippinischen 16 Besatzungsmitglieder konnte er keine Angaben machen.

"Wir haben seit der Kaperung keinen Kontakt mit der Besatzung. Auch die Piraten haben noch nicht versucht, mit uns zu sprechen. Das Schiff bewegt sich nach Norden in Richtung Somalia", sagte Theagenis Sarris, der Sprecher des griechischen Schiffsmaklers Interunity Management Corporation (IMC) in Athen. Die Piraten haben bislang ihre Forderungen nicht genannt. "Das tun sie meistens einige Tage nach der Kaperung", sagte der Unternehmenssprecher.

Nach Angaben der Singapurer Hafenbehörde wurde der Tanker York am Samstag rund 90 Seemeilen vor Mombasa überfallen. Das Schiff sandte um 14.25 MESZ ein Notsignal aus. Es war auf dem Weg von Mombasa nach Mahe auf den Seychellen.

Einen zweiten Übergriff gab die Bremer Reederei Beluga Shipping bekannt. Man habe einen Notruf von Bord des Schwergutfrachters "Beluga Fortune" erhalten und könne bestätigen, dass es sich um eine Kaperung durch somalische Piraten handele. Das Schiff sei von den Vereinigten Arabischen Emiraten in Richtung Südafrika unterwegs gewesen. Im zweiten Fall gab es zunächst keine offizielle Bestätigung dafür, dass sich deutsche Seeleute an Bord befinden sollen. Die Reederei wurde bereits Opfer der Piraten und musste ein Schiff freikaufen.

Erfahrene Offiziere der Küstenwache in Athen sagten, dass Verhandlungen über die Freilassung der Besatzung und des Schiffs "York" lange dauern könnten. Eine griechische Reederei hatte vor wenigen Monaten sechs Millionen Euro Lösegeld gezahlt, um einen gekaperten Tanker zurückzubekommen, hieß es.

Der Verband deutscher Reeder (VDR) forderte unterdessen erneut einen bessern Schutz vor Piratenüberfällen. "Die Piraterie im Indischen Ozean und im Golf von Aden bleibt ein ernstes Problem und stellt eine tägliche Lebensbedrohung für unsere Seeleute dar", sagte VDR-Hauptgeschäftsführer Ralf Nagel in Hamburg. Seit mehr als zwei Jahren seien im Durchschnitt ständig 400 Seeleute verschiedener Nationen in der Gewalt von Geiselnehmern.

Von somalischen Piraten geht auf den Meeren große Gefahr aus. Auch 2010 verübten sie bislang wieder die meisten Schiffsüberfälle. Bis Ende September gingen nach Angaben des Internationalen Seefahrtsbüros (IMB) 44 Prozent aller Piratenakte auf das Konto der somalischen Seeräuber. Von insgesamt 289 Piratenangriffen wurden 126 von somalischen Seeräubern verübt. Von 39 entführten Schiffen mussten 35 vor der somalischen Küste vor Anker gehen.

Nach Angaben der EU NAVFOR Somalia, einer multinationalen Mission der EU zur Bekämpfung der Piraterie, sind zur Zeit 20 Schiffe und 400 Geiseln in der Gewalt von Seeräubern.