Das Auswärtige Amt ist während der NS-Zeit ein Hort des Widerstandes gewesen – das war bis in unsere Tage hinein die regierungsoffiziell gern verbreitete Darstellung. Sie stieß unter Historikern und in der Öffentlichkeit zunehmend auf Widerspruch. Schließlich gab Außenminister Joschka Fischer 2005 eine Untersuchung über das Amt im "Dritten Reich" in Auftrag.

Am kommenden Donnerstag wird der Bericht der Historikerkommission in Berlin vorgestellt. DIE ZEIT sprach mit einem der Verantwortlichen und Herausgebern des Berichts, dem Jenaer Historiker Norbert Frei. Er betont, dass die Forscher nach anfänglichem Zögern alle Akten zur Verfügung gestellt bekamen. Daraus ergibt sich ein düsteres Bild.

"Das Amt war Teil dieser monströsen Diktatur, es hat seine Aufgaben erfüllt", sagt Frei. Auch handelte man in der Berliner Wilhelmstraße aus eigenem Antrieb, wenn es einmal Streit gab, dann um Interna und Kompetenzen, nicht in der Sache.

So hat das Auswärtige Amt nicht nur bei den Kriegsvorbereitungen loyal geholfen, sondern war auch aktiv am Holocaust beteiligt. Frei: "Hitlers Diplomaten waren nicht nur Mitwisser, sondern auch Mittäter. Das Amt war über  die Deportationen im Bilde, an einigen Orten halfen deutsche Diplomaten  auch direkt mit. Das Amt hatte innerhalb des Holocausts seine Aufgabe, und die erfüllte es."

Ein besonderes Augenmerk richtet sich auf den Staatssekretär Ernst von Weizsäcker, den Vater des ehemaligen Bundespräsidenten. Auch hier zeigen neue Dokumente, dass er sich willig den braunen Machthabern angedient hat – nicht zuletzt als es darum ging, den Nobelpreisträger Thomas Mann aus Deutschland auszubürgern.

Nach dem Krieg berief er sich, wie viele der Amtsmitarbeiter auf den Widerstand, vor allem auf den 20. Juli. Doch nichts spricht dafür, dass sie hier in besondere Weise beteiligt waren. Obwohl der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer ursprünglich ein ganz neues Amt aufbauen wollte, mit unbelastete Diplomaten, waren es, so resümiert Frei, an Ende wieder die alte Seilschaften, die in Bonn den Ton angaben.

Den Wortlaut des gesamten Interviews mit Norbert Frei lesen Sie am Donnerstag in der neuen Ausgabe der ZEIT.