Wir treffen Kurt Westergaard für ein Interview vor der Bühne, auf der er gerade den Leipziger Medienpreis entgegengenommen hat. Der 75-jährige hat nicht viel Zeit, die Gäste des Empfangs wollen seine Aufmerksamkeit. Er beginnt gleich zu erzählen, ohne auf eine Frage zu warten:

Kurt Westergaard: Wissen Sie, ich bin Atheist. Das heißt, ich bin frei von vielen religiösen Problemen, ich habe ich keinen Gott. Ich muss niemandem dankbar sein, nur meiner Familie und allen meinen Mitmenschen.

ZEIT ONLINE: In Europa wächst man trotzdem mit dem Christentum auf.

Westergaard: Vielleicht kennen Sie diese nordirische Anekdote, in der ein Mann an eine Straßensperre kommt und gefragt wird: "Sind sie Katholik oder Protestant?" Und der Mann sagt: "Ich bin Atheist." Gegenfrage: "Sind sie katholischer Atheist oder protestantischer Atheist?" Nun, ich bin ein protestantischer Atheist.

ZEIT ONLINE: Über Ihre Mohammed-Karikatur konnten viele Leute nicht lachen. Wie definieren Sie Humor?

Westergaard: Tja, was ist Humor? Woody Allen hat es sehr gut getroffen, als er sagte: "Humor ist Tragödie plus Zeit." Und aus meiner gegenwärtigen Situation heraus mag ich noch den Ausspruch von Julius Otto Bierbaum: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht."

ZEIT ONLINE: Bleiben wir bei Woody Allen. In Europa hatten wir manche Tragödie mit dem Christentum und auch sehr viel Zeit. Dürfen wir darum über Jesus lachen?

Westergaard: Natürlich dürfen wir über Jesus lachen. Er war eine ungewöhnliche, große Persönlichkeit. Er hat seine sehr moralische Geschichte erzählt, darum habe ich großen Respekt vor ihm. Aber ich kann Jesus nicht als Sohn Gottes anerkennen, nur als ungewöhnlichen Menschen. Doch ich werde alle unterstützen, die in ihrer Religion bedroht sind.

ZEIT ONLINE: Auch sie werden bedroht.

Westergaard: Ich glaube nicht, dass der ganz gewöhnliche Muslim mich töten will. Aber er hat nichts dagegen, dass ein anderer mich tötet. Deshalb habe ich mit dem Islam ein Problem. Viele Muslime haben mir gesagt, ich sei der große Satan. Aber ich bin doch ein friedlicher Mensch, der glücklos einen Dialog versucht hat. Aber die Muslime haben meine Zeichnung nicht verstanden.

ZEIT ONLINE: Was genau haben sie nicht verstanden?

Westergaard: Ich habe immer wieder gesagt, dass ich einen Terroristen gezeichnet habe, der seine spirituelle Munition aus Teilen des Korans bezieht. Das war mein Text, der sehr beeinflusst war von dem, was am 11. September 2001 in New York geschah.

ZEIT ONLINE: Was unterscheidet den Islam vom Christentum?

Westergaard: Dem Islam fehlt die 300-jährige Geschichte der Aufklärung. Und für die Bürokraten einer Religion ist sowieso alles möglich: Gott hat sich zurückgezogen und die Imame und Priester vorgeschickt, they run the business. Sie könnten aber einen Islam classic oder einen Islam light machen ...

ZEIT ONLINE: … der doch von vielen Muslimen sogar gelebt wird.