Typisch Guillermo Fariñas. Kaum hatte das EU-Parlament beschlossen, dem 48-jährigen kubanischen Dissidenten den Sacharow-Menschenrechtspreis zu überreichen, widmete er ihn allen "Märtyrern" Kubas. Der Preis sei insbesondere eine Anerkennung von Orlando Zapata, sagte Fariñas am Donnerstag in einer ersten Reaktion. Damit bezog er sich auf den politischen Häftling, der im Februar nach einem Hungerstreik starb.

Auch Fariñas sieht sich gerne als Märtyrer. Hungerstreiks machten den Psychologen und Journalisten über Kuba hinaus bekannt und ruinierten zugleich seine Gesundheit. 23 Mal hat er seit 1995 die Nahrungsaufnahme verweigert, um gegen Repression und für Meinungsfreiheit im kommunistisch regierten Kuba zu protestieren. Insgesamt verbrachte er mehr als elf Jahre in Haft.

Erst am Montag verließ Fariñas das Krankenhaus in seiner Heimat in Zentralkuba. Dort hatte er sich (im September) einer Notoperation unterziehen müssen, Folge seines bisher längsten und auch erfolgreichsten Hungerstreiks. 134 Tage lang hatte Fariñas jegliche Nahrung verweigert, im Anschluss an den Hungertod Zapatas.

Als ein abgemagerter und kahler Fariñas Anfang Juli erstmals wieder ein Glas Wasser trank, konnte er nicht mehr aufrecht stehen – doch Präsident Raúl Castro hatte er in die Knie gezwungen. Denn Castro hatte unter internationalem Druck begonnen, politische Häftlinge freizulassen.

39 ließ Kuba bisher direkt aus dem Gefängnis ins Exil nach Spanien ausfliegen. Demnächst freikommen sollen noch 13, die sich aber dem Exil verweigern und in Kuba bleiben wollen. Ausgehandelt wurden die Freilassungen zwischen Castro, der katholischen Kirche Kubas und Spanien als Vermittler.

In Kuba genießt Fariñas viel Unterstützung innerhalb der Opposition. Kritisiert wird er von einzelnen Vertretern der katholischen Kirche, die seine selbstmörderische Haltung missbilligen. Der bekennende Katholik rechtfertigte seine exzessiven Hungerstreiks bei früherer Gelegenheit als einzig mögliche Antwort auf die Propaganda der Regierung Castro. Denn sie stellt die Opposition gerne als "Söldner der USA" dar. Fariñas’ Argument: Indem er seine Bereitschaft zeige, sein "Leben für Ideale zu geben", beweise er, kein Söldner zu sein.