Die in Haiti grassierende Cholera breitet sich aus und hat nun auch die USA erreicht. Erstmals wurde eine Infektion bei einer Frau festgestellt, die von einem Verwandtenbesuch aus Haiti nach Florida zurückgekehrt war, berichtete die Zeitung The Miami Herald . "Es geht ihr recht gut", sagte der Arzt Thomas Torok vom Gesundheitsbüro für Seuchenforschung in Florida über den Zustand der erkrankten Haitianerin. Weitere Fälle in anderen Gebieten des US-Bundesstaates würden untersucht, sagte der Arzt. Die infizierte Frau war bereits vor einer Woche mit Cholera-Symptomen aus Haiti zurückgekehrt.

In Florida werden nach den Angaben der Zeitung weitere Fälle erwartet. Über 240.000 Haitianer leben in dem US-Bundesstaat. Zwischen Haiti und Miami verkehren täglich mehrere Flüge.

In der Dominikanischen Republik war bereits zuvor ein erster Cholera-Fall registriert worden. Der Kranke war ein Gastarbeiter aus dem benachbarten Haiti. Die Dominikanische Republik hat weitere Maßnahmen gegen ein Übergreifen der Cholera ergriffen. Bei einer Krisensitzung in Santo Domingo beschloss die Regierung, allen in der Dominikanischen Republik lebenden Haitianern die Rückreise zu verweigern, wenn diese zu einem Besuch nach Haiti fahren sollten. Die Maßnahme soll gelten, bis die Epidemie vorüber ist. Außerdem soll eine umfassende Aufklärungskampagne vor allem in den Schulen des Karibikstaates gestartet werden.

Der Gesundheitsminister der Dominikanischen Republik Bautista Rojas Gómez sagte, dass vor allem für die Besucher des Touristengebietes keinerlei Gefahr bestehe. Der aus Haiti eingereiste Cholera-Kranke, ein 32-jähriger Bauarbeiter, sei nach wie vor im Krankenhaus der Stadt Higüey isoliert. Die Lage sei unter Kontrolle, sagte Rojas Gómez weiter.

Unterdessen kam es im Norden Haitis erneut zu gewaltsamen Protesten. Wie der haitianische Sender Radio Metropole berichtete, wurde bei neuen gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und UN-Friedenstruppen ein Mensch getötet, vier Demonstranten wurden verletzt. Seit Anfang der Woche sind damit bei den Unruhen drei Menschen ums Leben gekommen . Die UN und die haitianische Regierung glauben, dass die Proteste nur wenige Tage vor den Präsidentenwahlen am 28. November von politischen Kräften provoziert werden.

Die Menschen protestieren gegen den vermeintlich erfolglosen Kampf der Regierung gegen die Cholera, an der in vier Wochen rund 1100 Menschen gestorben sind. Sie fordern zudem auch den Abzug der UN-Stabilisierungstruppe Minustah. Schon zu einem frühen Zeitpunkt der Epidemie war das Gerücht verbreitet worden, der Erreger sei von UN-Soldaten aus Nepal eingeschleppt worden. Die Minustah hat dies stets zurückgewiesen.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat in Washington mitgeteilt, seine Stiftung werde Haiti 1,5 Millionen Dollar zur Bekämpfung der Cholera spenden. Clinton ist Mitvorsitzender der Kommission zum Wiederaufbau Haitis. Die Hauptstadtregion um Port-au-Prince war bei einem schweren Erdbeben im Januar zerstört worden. Die internationale Gemeinschaft will die Rekonstruktion des Karibikstaates mit zehn Milliarden Dollar unterstützen.