Es war der 15. Verhandlungstag im Prozess gegen TV-Moderator Jörg Kachelmann: Ein Redakteur der Deutschen Presse-Agentur (dpa) war nach der Verhandlung vor dem Gerichtsgebäude in Mannheim vorläufig festgenommen worden. Dem Redakteur wurde die Festnahme mit dem Verdacht begründet, die Richter der 5. Großen Strafkammer des Mannheimer Landgerichts illegal abgehört zu haben. Dpa-Chefredakteur Wolfgang Büchner wies diesen Vorwurf entschieden zurück und protestierte gegen die "massive Behinderung der Berichterstattung".

Der Journalist, der seit Monaten für dpa über den Vergewaltigungsprozess gegen Kachelmann berichtet, hatte am Nachmittag auf dem Bürgersteig vor dem Gebäude einen Radiobeitrag in ein Aufnahmegerät gesprochen. Dabei stand er nach eigener Aussage unwissentlich vor dem Fenster eines Raumes, in dem sich die Richter der Strafkammer nach der Verhandlung aufhielten.

Ein Richter habe das Fenster geöffnet und ihn beschuldigt, die Kammer abzuhören, berichtete der Reporter. Anschließend seien Wachleute alarmiert worden, die ihn umstellt hätten. Beamte der Kriminalpolizei nahmen den Reporter schließlich vorläufig fest, beschlagnahmten sowohl das Aufnahmegerät als auch das Dienst-Handy und führten den Redakteur in ein Vernehmungszimmer des Gerichts. Er wurde aufgefordert, das Handy zu entsperren, damit die Daten herausgelesen werden könnten. Das lehnte der Reporter mit Hinweis auf den Informantenschutz ab. Am späten Nachmittag wurde der Journalist freigelassen.

"Das Vorgehen des Gerichts ist völlig unverständlich und unbegründet", sagte der dpa-Chef Büchner. Insbesondere die Forderung nach Herausgabe von Handy-Kontaktdaten sei "ein Angriff auf die grundgesetzlich geschützte Pressefreiheit".