In Haiti sind bei Zusammenstößen zwischen Blauhelmsoldaten und Demonstranten zwei Menschen ums Leben gekommen. Wie die Polizei bekannt gab, wurden im Norden des Landes am Rande von Protesten gegen die langsame medizinische Versorgung bei der Cholera-Epidemie zwei Menschen erschossen. Die UN-Mission bestätigte, auf einen der getöteten Demonstranten geschossen zu haben. Dieser sei bewaffnet gewesen und habe auf einen Soldaten gezielt, sagte ein Sprecher der UN-Mission in Haiti (Minustah). Die Schüsse seien aus Notwehr abgegeben worden.

Ein einheimischer Behördenvertreter sagte, der 20-Jährige sei tot "vor einem Stützpunkt" der Blauhelmsoldaten in Quartier-Morin, einem Vorort von Cap-Haitien, gefunden worden. Er sei von einer Kugel in den Rücken getroffen worden. Ein weiterer junger Mann wurde nach Angaben aus Polizei- und Justizkreisen bei Protesten in Cap-Haitien erschossen.

Cap-Haitien rund 270 Kilometer nördlich der Hauptstadt Port-au-Prince ist die zweitgrößte Stadt des Karibikstaats. In Cap-Haitien, auf dem Stützpunkt in Quartier-Morin und im zentralhaitianischen Hinche hatten im Tagesverlauf Tausende Menschen gegen das Krisenmanagement der Regierung angesichts der Cholera-Epidemie demonstriert. Der Protest richtete sich auch gegen die UN-Soldaten, die von den Demonstranten für den Ausbruch der Cholera verantwortlich wurden. In Cap-Haitian setzte die aufgebrachte Menge ein Polizeigebäude und mehrere Fahrzeuge in Brand.

Die Demonstranten in Cap Haitien und in Hinche forderten gleichzeitig den Abzug der UN-Blauhelme, die seit 2004 die Lage in dem ärmsten Land Amerikas stabilisieren sollen. UN-Soldaten und haitianische Polizei gingen gegen die Demonstranten vor, die eine Polizeistation angezündet hatten, und beendeten die Proteste.

Die Art der Demonstrationen lasse darauf schließen, dass diese in Zeiten des Wahlkampfs politisch motiviert seien, hieß es in der UN-Erklärung weiter. Die Minustah forderte die Haitianer auf, sich nicht manipulieren zu lassen und so die Demokratie zu gefährden.

Die Vereinten Nationen rechnen unterdessen mit einem "deutlichen Anstieg" der Cholera-Fälle in Haiti. Aus allen Landesteilen des Karibikstaates seien mittlerweile Cholera-Fälle gemeldet worden, sagte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Haiti, Nigel Fisher. Die Krankheit breite sich aus, sagte Fisher weiter. "Wir müssen versuchen, die Zahl der Erkrankungen und die Zahl der Todesopfer in Grenzen zu halten."

Es sei nicht ungewöhnlich, dass sich bei einer derartigen Epidemie Hunderttausende Menschen mit der Cholera infizierten, sagte Fisher. Viele dieser Infektionen verliefen allerdings vergleichsweise mild. Die haitanischen Gesundheitsbehörden hatten zuletzt von 917 Todesopfern der Cholera-Epidemie gesprochen, mehr als 14.600 würden in Krankenhäusern behandelt.

Cholera verbreitet sich vor allem über Wasser und Nahrung, verursacht heftigen Durchfall und Erbrechen und kann ohne rechtzeitige Behandlung innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen.