Die Regierung von Haiti forderte die Bewohner der Notunterkünfte für Erdbebenopfer auf, umzuziehen. "Meine Schwestern und Brüder, verlasst die gefährdeten Gebiete, ich bitte Euch darum", sagte Premierminister Jean-Max Bellerive in einer Fernsehansprache. "Es wird Regen und Wind im ganzen Land geben. Seid nicht stur. Geht, wenn Ihr in einer unsicheren Unterkunft seid." In der Hauptstadt Port-au-Prince und der Umgebung leben seit den verheerenden Erdstößen vom Januar immer noch mehr als eine Million Erdbebenopfer in provisorischen Zeltlagern. Vor Wochen brach die Cholera aus.

In Port-au-Prince schloss der Flughafen für den zivilen Verkehr. Die Menschen deckten sich mit Lebensmitteln ein. Die Schulen sind geschlossen, vor allem, um auch Platz für Obdachlose zu schaffen.

Durch das schwere Erdbeben vom Jahresbeginn waren mehr als 250.000 Menschen gestorben, etwa 1,5 Millionen Menschen verloren ihr Heim. Wegen der Hurrikan-Gefahr brachten UN-Helfer in Corail-Cesselesse, zehn Kilometer von der Hauptstadt Port-au-Prince entfernt, erste Bewohner in ein Krankenhaus. Dort sollen während des Sturmes fast 2000 Menschen Unterkunft finden. Vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen wurden in Sicherheit gebracht.

In der Hauptstadt sind die Katastrophenhelfer darauf eingestellt, etwa 100.000 Menschen in öffentlichen Gebäuden unterzubringen.

WirbelsturmTomas sorgte bereits am Donnerstag für starken Wind und heftigen Regen in Haiti. Gesundheitsminister Paul-Antoine Bien-aimé sagte, ein Mensch sei gestorben, als er versuchte, einen durch den Regen angeschwollenen Fluss in einem Fahrzeug zu durchqueren.

Die USA boten an, im Notfall erneut vorübergehend die Kontrolle über den Flughafen-Tower in der Hauptstadt zu übernehmen. Der Chef der UN-Mission Minustah, Edmond Mulet, sagte, es sei wie schon bei dem Erdbeben zu befürchten, dass der Wirbelsturm Haiti schwer trifft.

Der Regen dürfte viele Straßen und Brücken zerstören, sagte der höchste Repräsentant der UN in Haiti. Da dann auch die Straßenverbindung in die benachbarte Dominikanische Republik unterbrochen werde, sei der Flughafen von Port-au-Prince die einzige Möglichkeit, im Falle einer Katastrophe Hilfsgüter schnell ins Land zu bringen.

Es seien bereits Schiffe mit Hilfsgütern aus den USA, Großbritannien und aus Frankreich nach Haiti unterwegs, sagte er. Auch erwarte er einen in Puerto Rico stationierten Hubschrauber-Träger vor Haiti.

Meteorologen rechnen damit, dass sich der Tropensturm in den kommenden 48 Stunden verstärkt. Nach Angaben des US-Hurrikanzentrums in Miami trifft der Sturm am heutigen Freitag in Hurrikanstärke auf den Südwesten des Karibikstaates. Betroffen sind auch Jamaika, der Ostzipfel Kubas und zu Beginn der kommenden Woche die Bahamas.