Keine Feier ohne Störenfriede. Die Bluthunde der britischen Presse können es einfach nicht lassen. Da freut sich die britische Nation und mit ihr ein Milliardenpublikum rund um den Globus über die Aussicht auf eine königliche Hochzeit mit den Zutaten, Prunk, Tradition, Liebesromanze und gefühlvoller Erinnerung an "die Prinzessin der Herzen", Diana. Doch am Sonntag wartete die News of the World , bekannt als Quälgeist der Windsors, mit saftigen Enthüllungen auf über das Schwarze Schaf der Middletons.

Ein Onkel von KateMiddletonging Reportern des auflagenstärksten britischen Blattes auf den Leim, versorgte sie in seiner Villa auf Ibiza angeblich mit Kokain, Ecstasy und anderen Drogen. Die Rechtfertigung für die investigative Operation: "öffentliches Interesse"; Schließlich habe Prinz William zusammen mitMiddletondie Gastfreundschaft des Onkels genossen und in seiner Villa gewohnt, die "vielleicht mit Drogengeld" finanziert worden sei, erklärte ein Redakteur des Zeitung, die dem Medienzar Rupert Murdoch gehört. Ansonsten aber teile man vollauf die festliche Stimmung.

Auf der linken Seite ärgert man sich vor allem über die hohen Kosten der Hochzeit für die Steuerzahler. Doch der linksliberale Guardian , der seit Jahrzehnten dafür kämpft, die Royals davon zu jagen, fordert die Antiroyalisten auf, das Jammern zu lassen. Sie sollten vielmehr jubeln. Die "abstoßende Windsor-Dynastie" habe mit der Entscheidung Williams, eine Bürgerliche zu heiraten, ihren eigenen Untergang eingeleitet.

Die Hochzeit des Jahres löst also nicht überall freudige Gefühle aus. Doch die Hoffnung auf Selbstzerstörung der "Firm" wird sich wahrscheinlich als Wunschdenken erweisen. Der Bruch eines ungeschriebenen Gesetzes des Hochadels, den Prinz William mit der Wahl seiner Ehefrau beging, stärkt das Königshaus. Vor allem ist die Verlobung ein erfolgreicher PR-Coup. Die Windsors praktizieren "soziale Mobilität", die derzeit von allen Parteien beschworen wird. Eine Braut aus dem Hochadel wäre in diesen harschen Zeiten schlecht angekommen, hätte antiroyalistische Gefühle in Parlament wie Medien befeuert. Stattdessen wird der künftige König die Tochter einer Stewardess heiraten . Besser geht es nicht.  

Die britische Monarchie demonstriert erneut ihre Fähigkeit, auf gesellschaftliche Veränderungen flexibel und reformwillig zu reagieren, ohne Exklusivität preiszugeben. Sich biegen in den Stürmen der Zeit, um nicht zu brechen, lautet das Leitmotiv des Königshauses seit der "Glorious Revolution" des Jahres 1688. Schritt für Schritt wurde politische Macht aufgegeben zugunsten einer am Ende rein symbolisch-repräsentativen Rolle, deren Bedeutung nicht zu unterschätzen ist.

In den vergangenen Jahrzehnten mutierte Großbritannien, von dem Sozialisten George Orwell schon in den vierziger Jahren als "gekrönte Republik" bezeichnet, in rasantem Tempo in eine hektische, leicht erregbare und respektlose, von der breiten Mittelschicht dominierte Massenmediendemokratie. Die Windsors gaben, manchmal durchaus widerstrebend nach, öffneten ihre Paläste, gesellten sich für wohltätige Zwecke zu Pop- und Rockstars, stellten sich dem Fernsehen, heuerten PR-Berater an, und sie versuchten, die Medien selbst zu nutzen, so wie es Prinz Charles Ex-Frau Diana meisterhaft vorexerziert hatte.

Nach deren Tod im Jahr 1997 war Queen Elisabeth II gezwungen, mit Jahrhunderte alten Traditionen zu brechen, angesichts aufgebrachter Massen vor den Toren des Palastes. Damals nahm die Trauer des Volkes um Prinzessin Diana beinah hysterische Formen an. Der Sturm wurde überstanden; heute steht die Monarchie gefestigter da denn je, ungeachtet der unverändert großen Abneigung von Medien- und Kultureliten, die Königshäuser als Anachronisismus betrachten, der auf den Abfallhaufen der Geschichte gehört. Umso grimmiger müssen sie derzeit zur Kenntnis nehmen, dass sich Könige und Hochadel wachsender Beliebtheit erfreuen, von Schweden bis Spanien, selbst in Republiken geht der Trend unverkennbar in die gleiche Richtung. Wozu wohl auch die ungewöhnliche Popularität des deutschen Verteidungungsministers Theodor zu Guttenberg passt.