Die freudige Nachricht von der bevorstehenden Märchenhochzeit kam nicht vollkommen unerwartet. Es hatte in den letzten Monaten immer wieder Stimmen gegeben, die fragten, warum denn Prinz William – Sohn von Prinz Charles und Prinzessin Diana und künftig einmal Thronfolger – seine Freundin Kate Middleton hängen lässt. Wie lang lässt er sie warten, will er sie überhaupt heiraten? Die Frage wurde nun beantwortet durch die überraschende Mitteilung, dass die beiden seit einigen Wochen schon heimlich verlobt sind.

Im nächsten Jahr wird das große Ereignis über die Bühne gehen, im Frühjahr oder im Sommer. Man wird sich auf einen gigantischen globalen Medienrummel einstellen. Es ist das Jahr 2011, genau 30 Jahre nach der letzten Märchenhochzeit, jener zwischen Williams Eltern Charles und Diana. Wie diese Ehe endete, ist bekannt, aber das spielt heute keine Rolle mehr.

Der Hunger der Öffentlichkeit nach solchen Ereignissen ist riesig. Der Zauber, den die Royals – die königlichen Hoheiten – ausüben, ist selbst im demokratischen Zeitalter der celebrities , die aus den Massen kommen, ungebrochen. Das Blaublütige übt eine Faszination aus, die von den Stars und Sternchen bürgerlicher Herkunft kaum zu schlagen ist. Es wird daher auch immer wieder gefragt, ob die bürgerliche Kate Middleton denn eine standesgemäße Ehefrau für Prinz William darstellen wird. Ihr Vater ist ein selfmade businessman , ein erfolgreicher Partyveranstalter, der seine Tochter auf teure Privatinternate schicken konnte. Doch an seiner Herkunft aus der unteren Mittelschicht ändert das nichts, was die mokanten Fragen nach ihrer gesellschaftlichen Eignung natürlich befeuert.

Insbesondere jene Presse, die eigentlich mit der Monarchie nicht viel anfangen kann, fragt immer wieder, ob sie denn wohl die richtige Sprache sprechen könne. Beispielsweise würde ihre Familie toilet sagen, eben so, wie jene bürgerlichen Mittelschichten, die gern vornehm sein wollen, wo es in der Aristokratie doch loo (Klo) heiße. Und so geht am Ende die Monarchie eigentlich mit gutem Beispiel voran und ist viel weniger klassenbewusst als jene  scharfzüngigen Kolumnistinnen der britischen Presse, die sich über die Frage der Standesgemäßheit der bürgerlichen Middleton auslassen.

Von Kate Middleton selbst heißt es, dass sie sehr würdevoll sei und einen guten Geschmack habe, zudem sieht sie gut aus. Und sie sei sich dessen, was auf sie zukommt, sehr bewusst, denn bekanntlich ist es kein Zuckerschlecken, in Großbritannien eine königliche Hoheit zu werden. Immerhin haben Prinz William und Kate Middleton bereits eine lange Beziehung hinter sich, sie kennen sich seit neun Jahren. 2007 hatte sich William von Kate getrennt, wahrscheinlich weil der Mediendruck zu groß geworden war. Ein halbes Jahr später lagen sie sich wieder in den Armen. Die Tatsache, dass das Paar lange liiert ist, ohne verheiratet zu sein, stellt in der britischen Öffentlichkeit kein Problem dar. Vor diesem Hintergrund kann man dem Paar eine gute Zukunft voraussagen.

Prinz William wird weiterhin wie bisher in der britischen Luftwaffe dienen. Das Paar wird in Nord-Wales leben. Eine schöne und bergige, aber auch regenverhangene Region, ohne große gesellschaftliche Anreize. Tiefe Provinz also und ein Wermutstropfen, denn für eine junge Frau ist es nicht unbedingt attraktiv, dort zu wohnen.

Die königliche Hochzeit ist auf jeden Fall ein Ereignis, das das kollektive Herz der Nation erfreuen wird. Auch die anti-royalen Spielverderber werden daran nichts ändern können. Erst recht nicht solche giftigen Stimmen, wie die neueste Verschwörungstheorie, dass die Hochzeitsmitteilung nur deshalb jetzt verkündet worden sei, um vom Arrangement der britischen Regierung mit Ex-Guantánamo-Häftlingen, die eine Entschädigung enthalten haben, abzulenken.

Dennoch, die Hochzeit kommt auch Premier David Cameron recht zupass, musste er aufgrund des Haushaltsloches doch gerade düstere Zeiten der Sparsamkeit und Knappheit verkünden. Eine wirklich perfekte Streicheleinheit für das Seelenleben der britischen Nation wäre aber, wenn das Land nun auch noch die Austragung der Fußballweltmeisterschaft 2018 zugesprochen bekommt.