Wer am Sonntagmorgen in Lübeck seinen Wasserhahn aufdrehte, erlebte eine unangenehme Überraschung. Teilweise tröpfelte nur ein Rinnsal heraus, oft kam gar nichts mehr. In der Hansestadt mit ihren mehr als 200.000 Einwohnern und rund 130.000 Haushalten war bis zum Nachmittag die gesamte Trinkwasserversorgung zusammengebrochen.

Am Morgen fiel der Druck in den Stadtteilen Kücknitz und Marli innerhalb von einer Minute von drei bis vier auf einen Bar. "Das war zu wenig, um die Wasserversorgung zu gewährleisten", sagte Stadtwerke-Geschäftsführerin Annie-Lykke Gregersen den Lübecker Nachrichten .

Viele Bürger waren äußerst besorgt: Ab 9.00 Uhr standen bei Polizei und Feuerwehr die Telefonen nicht mehr still, hunderte Anrufe gingen ein und überlasteten die Telefonleitungen. Viele Lübecker besorgten sich bei Tankstellen Trinkwasser. Bürger, die noch Wasser hatten, legten Vorräte in Eimern an.

Das Universitätskrankenhaus stellte die Leitungen ganz ab und pumpte Wasser aus den Brunnen. Drei Feuerwehren waren vor dem Großklinikum stationiert, um die Wasserversorgung zu gewährleisten. Es hätten aber keine Operationen abgesagt werden müssen, sagte Kliniksprecher Oliver Grieve. Auch in den Sana-Kliniken im Stadtteil St. Jürgen konnten alle geplanten Operationen durchgeführt werden. Die Feuerwehr lieferte Nutzwasser über Hydranten und brachte Trinkwasser.

"Das ist der größte Versorgungsausfall in Lübeck seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte Lars Hertrampf, Sprecher der Stadtwerke. Die Leitstelle analysierte systematisch das 710 Kilometer lange Netz. Sie vermuten, dass eines der Rohre, das durch den Fluss der Stadt führt, ein Leck hat – insgesamt führen acht Leitungen durch die Trave.

"Pro Stunde sind mehrere tausend Liter Trinkwasser in die Trave geflossen", sagte Gabor Moharos, Leiter des Netzservices, den Lübecker Nachrichten . An einem normalen Sonntag verbrauche Lübeck zwischen 30.000 und 40.000 Kubikmeter. An diesem Sonntag schätzte er, seien es rund 55.000 Kubikmeter.

Wo sich das Leck genau befindet, muss noch untersucht werden. Mit Kamerafahrten will der Versorger nach dem Leck suchen, wovon die Bevölkerung aber nicht betroffen sein werde. Nachdem zwei Ventile im Rohrnetz geschlossen wurden, ließ sich das Leck zumindest umgehen. Und die Wasserversorgung sei auch ohne diese Leitungen stabil.