Gut sieben Monate nach dem Überfall auf das Hamburger Frachtschiff Taipan müssen sich zehn Somalier wegen Angriffs auf den Seeverkehr und erpresserischen Menschenraubs vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Gleich zum Prozessauftakt forderte ein Teil der 20 Verteidiger, die Öffentlichkeit von der Verhandlung auszuschließen, da Jugendliche und Heranwachsende unter den Angeklagten seien.

Einer der mutmaßlichen Piraten ist nach eigenen Angaben erst 13 Jahre alt und wäre damit nicht einmal strafmündig. Die Staatsanwaltschaft hält ihn für älter und stützt sich dabei auf Gutachten. "Die von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Schätzgutachten sind wissenschaftlich gesehen ohne Aussagekraft", sagte hingegen Anwalt Thomas Jung. Er verlangte, das Verfahren gegen seinen Mandanten einzustellen. Richter Bernd Steinmetz machte klar, dass die Feststellung des Alters der Angeklagten einen wichtigen Stellenwert in dem Prozess haben werde. "Ein Kind wird hier nicht vor Gericht stehen", sagte er.

Schon der Abgleich der Namen der Angeklagten zu Prozessbeginn dauerte längere Zeit, weil es Unstimmigkeiten in der Schreibweise gab. Mehrere Angeklagte konnten ihren exakten Geburtstag nicht nennen, sondern gaben nur das Geburtsjahr an. Einer sagte: "Ich wurde unter einem Baum geboren." In dem Prozess übersetzen drei Dolmetscher vom Somalischen ins Deutsche.

Die Verteidiger bezweifeln, ob das Verfahren vor einem deutschen Gericht überhaupt angebracht sei. Die im deutschen Strafrecht festgelegten Strafziele griffen in diesem Fall nicht, argumentierten sie. Eine Resozialisierung der Angeklagten sei weder in Deutschland noch im Heimatland Somalia möglich.

Zudem hat die Verteidigung zu Beginn des Prozesses die Rechtmäßigkeit der Auslieferung der zehn somalischen Angeklagten an Deutschland in Zweifel gezogen. Für die Festnahme der Männer durch niederländische Marinesoldaten auf einem gekaperten deutschen Containerschiff habe es keine richterliche Anordnung gegeben, argumentierten die Anwälte in einer gemeinsamen Erklärung. Es müsse noch geklärt werden, ob die Auslieferungshaft in den Niederlanden nach dem Völkerrecht zulässig gewesen sei.

Die zehn Angeklagten überfielen laut Staatsanwaltschaft am Ostermontag das Hamburger Containerschiff Taipan . Demnach hielten es die schwer bewaffneten Männer rund 530 Seemeilen vor der Küste Somalias knapp vier Stunden lang in ihrer Gewalt. Die 15-köpfige Besatzung konnte sich in einen Sicherheitsraum retten. Sie wurde von einem niederländischen Marinekommando befreit, das die Piraten an Bord festnahm. Verletzt wurde bei der Aktion niemand. Im Juni waren die Somalier von den Niederlanden an Deutschland ausgeliefert worden. Zu den Vorwürfen schwiegen die Angeklagten bisher. Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten Höchststrafen von bis zu 15 Jahren Haft.

Dass den zehn mutmaßlichen Piraten aus Somalia ausgerechnet in Hamburg der Prozess gemacht wird, liegt an Paragraf 10 der Strafprozessordnung. Darin wird der Gerichtsstand – der Ort des zuständigen Gerichts – für Straftaten auf Schiffen oder auch in Flugzeugen geregelt. Für Straftaten auf See ist demnach das Gericht zuständig, in dessen Bezirk sich der Heimathafen des Schiffes befindet. Wörtlich heißt es in Paragraf 10: "Ist die Straftat auf einem Schiff, das berechtigt ist, die Bundesflagge zu führen, außerhalb des Geltungsbereichs dieses Gesetzes begangen, so ist das Gericht zuständig, in dessen Bezirk der Heimathafen oder der Hafen im Geltungsbereich dieses Gesetzes liegt, den das Schiff nach der Tat zuerst erreicht."

Das Containerschiff Taipan der Hamburger Reederei Komrowski, das die Somalier am Ostermontag gekapert haben sollen, war unter deutscher Flagge unterwegs und hat seinen Heimathafen in der Hansestadt. Außerdem waren zwei Besatzungsmitglieder Deutsche.

Es ist das erste Mal, dass somalischen Piraten in Deutschland das Gericht gemacht wird und der erste Piratenprozess in Hamburg seit Jahrhunderten.