Zum zweiten Mal hat eine Maschine der australischen Fluggesellschaft Qantas Probleme mit dem Triebwerk. Der Pilot habe das Problem kurz nach dem Start bemerkt, sagte eine Sprecherin der australischen Fluggesellschaft. Er sei umgekehrt und sicher und ohne Zwischenfälle in Singapur gelandet. Die Boeing 747 mit 412 Passagieren an Bord sollte nach Sydney fliegen. Ein Passagier der Maschine sagte, er habe an dem Motor Flammen gesehen.

Derweil begannen die Ursachenforschung zur Notlandung des Airbus A380 vom Donnerstag. Der Airbus war ebenfalls in Singapur notgelandet, nachdem einer der vier Motoren eine Abdeckung verloren hatte. Qantas-Chef Alan Joyce sagte, es handle sich vermutlich um einen "Materialfehler oder eine Frage des Designs". Er wies Zweifel an seiner Wartung der Flugzeuge zurück. "Mit der Wartung hat das Problem nichts zu tun", sagte Joyce. Rolls-Royce habe die Triebwerke des Modells Trent 900 seit deren Einbau in die Flieger instand gehalten. Spätestens am Sonntag will Qantas seine sechs A380-Maschinen – das größte Passagierflugzeug der Welt – wieder einsetzen.

Spekulationen, dass der im benachbarten Indonesien ausgebrochene Vulkan Merapi für die Triebwerkstörungen verantwortlich sein könnte, hatten Experten schon am Donnerstag zurückgewiesen. Der Vulkan liegt rund 1200 Kilometer südöstlich von Singapur, und weder der Airbus noch die Boeing waren über das betroffene Gebiet geflogen.

Airbus hält sich bislang zu den Hintergründen des Zwischenfalls bedeckt. "Wir kennen die Ursache noch nicht", sagte Airbus-Chef Tom Enders der Bild -Zeitung. Druck von Kunden wegen Sicherheitsbedenken habe es bislang nicht gegeben, sagte Airbus-Verkaufschef John Leahy. Der Chef der Airbus-Mutter EADS, Louis Gallois, sagte zum Wochenschluss, dass Flüge mit dem A380-Superjumbo trotz des Vorfalls sicher seien. "Der A380 ist so konstruiert, dass er die Probleme, die Qantas hatte, bewältigen kann. Der Ausfall eines Triebwerks kann auftreten", fügte Gallois hinzu.

Die A380-Maschinen von Lufthansa, Qantas und Singapore Airlines fliegen mit Rolls-Royce-Motoren des Typs Trent 900. Die britische Firma hatte nach der Notlandung empfohlen, die Trent-900-Motoren zu überprüfen. Air France und Emirates, der größte A380-Kunde, sind mit dem Konkurrenzmotor von Engine Alliance ausgestattet, der bisher unfallfrei war. Der Kurs von Rolls-Royce und des Airbus-Mutterkonzerns EADS sackte nach der Notlandung ab.

Die Lufthansa hatte am Donnerstagabend einen A380 ersetzt, der von Frankfurt am Main aus ins südafrikanische Johannesburg fliegen sollte. Ein Lufthansa-Sprecher begründete dies damit, dass wegen des "sehr kurzfristigen" Hinweises des Triebwerkherstellers Rolls-Royce die empfohlenen Sicherheitschecks nicht mehr vor dem Start hätten vorgenommen werden können. Singapore Airlines, die elf Flugzeuge des Typs im Einsatz haben, nahmen ihren Verkehr mit dem A380 wieder auf.

Insgesamt sind bisher 37 Maschinen vom Typ A380 in Betrieb, außerdem gibt es Aufträge von 17 Kunden für 234 weitere. Airbus hatte das erste Exemplar des größten Passagierflugzeugs der Welt mit 18 Monaten Verspätung im Oktober 2007 ausgeliefert. Seitdem hat der Flugzeugbauer Probleme, die Produktion hochzufahren und musste mehrfach seine Auslieferungsziele für die hochkomplexe Maschine korrigieren. Die Produktionsprobleme belasten auch die Bilanz von EADS.