In dem seit Tagen andauernden Kampf zwischen Drogenbanden und Sicherheitskräften in Rio de Janeiro hat die brasilianische Polizei den Kriminellen ein Ultimatum gestellt. "Wer sich stellen will, der möge das jetzt tun", sagte der Chef der Militärpolizei von Rio, Mario Duarte, am Samstag in Richtung der in Slums verschanzten Kriminellen. Die Armee und die Einsatzkräfte der Polizei seien bereit, die Favelas zu stürmen, warnte Duarte. "Wir sind nur für kurze Zeit außerhalb." Die Polizei bleibe bei ihrem festen Entschluss, in Rio für Frieden zu sorgen. Nach Angaben der Organisation Afroreggae, die in dem Konflikt vermittelt, stellten sich "mehrere Menschen" den Behörden. Die Polizei bestätigte dies zunächst nicht.

Mehrere hundert Polizisten blockierten seit Freitag zusammen mit schwer bewaffneten Fallschirmjägern und Panzern den Complexo do Alemão, einer Ansammlung aus 15 Favelas, in denen insgesamt 400.000 Menschen leben. Dort sollen sich mehr 200 bewaffnete Drogendealer verschanzt haben, nachdem Elitetruppen der Militärpolizei die benachbarte Favela Vila Cruzeiro am Donnerstag mit Unterstützung von Hubschraubern und Panzern gestürmt hatten . Die Sicherheitskräfte kontrollierten am Samstag penibel die rund 40 Zugänge, die zum Complexo do Alemão führen.

Wie ein Journalist berichtete, kam es am Samstag zu schweren Schusswechseln. So schossen zunächst mutmaßliche Drogendealer auf einen Hubschrauber, der die Favela-Ansammlung überflog. Daraufhin feuerten Polizisten zurück, und es entzündete sich eine Schießerei.

Seit Sonntag vergangener Woche wurden im Kampf gegen Drogendealer in Rio mindestens 35 Menschen getötet und fast 200 Verdächtige festgenommen. In Rio leben rund zwei Millionen Menschen in den mehr als 1000 Favelas. Die Regierung will die Kontrolle über die hundert gewalttätigsten Armenviertel wiedergewinnen, bevor in dem Land 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft ausgerichtet wird und 2016 in Rio die Olympischen Spiele abgehalten werden.