Weil es im Internet alles gibt, gibt es natürlich auch das: Fuck for Forest , eine "erotische Umweltschutzgruppe" tritt "Kraft ihrer Sexualität" ein fürs Gehölz auf Erden. Auf ihrer Website darf man sich vom Körpereinsatz der Gruppe überzeugen, da geht's zur Sache, zwischen Sträuchern und Büschen, Farnen und Platanen, von hinten, vorn, und huch, tut das nicht weh? Environmental Porn , heißt das. Zu Deutsch: Drauß’ im Walde komm ich gleich, zum wohltätigen Zweck. Neue Mit – ähm – Glieder willkommen.

Sex als Fortsetzung des Protests mit anderen Mitteln! Da wir nach diesen Zeilen schon zerzaust sind, ein Blick in den Spiegel : Charlotte Roche, Deutschlands berühmte Chronistin analer Wehwehchen, hat unserem Bundespräsidenten Christian Wulff ein Angebot gemacht. Sie ginge mit ihm gar ins Bett, falls er dem Gesetz zur AKW-Laufzeitverlängerung die präsidiale Unterschrift verweigere. Ihr Mann habe schon zugestimmt. Zudem sei sie tätowiert, wie Wulffs Frau Bettina, bringe also alle Voraussetzungen mit. Dem Beischlaf der Gerechten stünde nichts mehr im Weg.

Nüchtern gesehen spricht ja diese Offerte erst einmal für Wulff. Bliebe die Frage: Was, wenn das Furore macht in unseren vibrierenden Zeiten? Wie fände das Frau Roche? Wenn plötzlich die IG Metall stahlharte Argumente hervorzöge, damit Christian Wulff sich tarifpolitisch engagiert? Die Frauenfußballnationalmannschaft sich das silberne Lorbeerblatt horizontal bei ihm erwürbe? Oder vertriebene Landsfrauen das schles'sche Himmelreich versprächen, falls Wulff die Oder-Neiße ein Stück ostwärts schiebt.

Spätestens dann ruft der Moralapostel, der uns noch jeden Spaß verdorben hat: "Im Mittelalter sind wir!" Das Bett beschritten, das Recht erstritten, hieß es in dieser düstren Zeit. Auf Roches frivole Schelmerei kam aus dem Bundespräsidialamt bislang keine Antwort. Vielleicht hatte Wulff sogleich einen Vers seines Lieblingsdichters im Ohr, der ihm die Konsequenz vor Augen führte. So schrub einst der olle Rilke: "Er fühlte sich nicht mehr echt: der Herr in ihm war mäßig, und der Beischlaf war schlecht."